Leserbrief

Fremdschämen für unser Land

Fremdschämen ist ein Begriff, der vor einiger Zeit unseren Wortschatz bereichert hat und dann wieder vergessen schien. Jetzt ist er wieder da, jedenfalls mich hat er im Würgegriff: Es ist mir zwar fremd, aber ich möchte heulen vor Scham, weil ich doch in diesem Land lebe - wo man sich Sorgen macht, ob die Christkindlmärkte wohl werden stattfinden können, aber gleichzeitig nicht zulassen möchte, dass vielleicht ein paar Hundert Kinder in höchster Not bei uns aufgenommen werden. Ich muss mich schämen, denn es ist auch mein Innenminister, der behauptet, man habe in Moria ja gesehen, dass es "gewaltbereite" Jugendliche sind, die wir dann bei uns aufnehmen würden. Als ob schwer traumatisierte Menschen nicht allüberall zu Gewalt neigen würden! Und unser, auch mein Außenminister antwortet auf sehr klare Fragen nach gebotener Menschlichkeit (von Armin Wolf) immer wieder sehr klar ausweichend, als ob er nicht verstünde, worum es dem Fragenden wirklich geht. Ja, es ist zum Heulen und "Fremdschämen". Mögen unsere Politiker - die ja auch einer "christlich-sozialen" Partei angehören - endlich auch christlich handeln, wie es ja auch Tausende Menschen in Österreich fordern und selbst tun möchten: wenigstens unbegleitete Kinder und Jugendliche bei uns aufnehmen und ihnen mit Liebe begegnen.

Dr. Kristin Müller, 5400 Hallein

Quelle: SN

Aufgerufen am 21.01.2021 um 01:41 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/fremdschaemen-fuer-unser-land-92862844

Kommentare

Schlagzeilen