Leserbrief

Für mehr Toleranz und Verständnis anderen gegenüber

Frieden - ich habe Angst, dass meine Kinder irgendwann nicht einmal mehr wissen was dieses Wort eigentlich bedeutete. Ich habe Angst, dass wir verlernen, unseren nächsten zu akzeptieren, dass der Duden an einem Punkt gezwungen sein wird, Worte wie "Toleranz" und "Verständnis" aus dem Wörterbuch zu nehmen. Davor habe ich unbeschreiblich große Angst.
Warum müssen wir immer jemanden hassen? Wieso will der Mensch so unbedingt Dinge auslöschen? Warum führen wir noch immer Kriege im Namen einer Religion? Woher nimmt man die Berechtigung, anderen das Leben aufgrund ihrer religiösen Ausrichtung, ihrer Sexualität, ihrer Herkunft oder ihres Aussehens zu nehmen?
Man redet immer wieder davon, wie gut entwickelt, wie fortschrittlich, ja wie überlegen der Mensch allem anderen sei. Wir rühmen uns damit, eine ganz besonders intelligente Art von Säugetieren zu sein, wir können ja schließlich alles was ein Hund nicht kann. Ich stelle nun eine Frage in den Raum, für die ich wahrscheinlich vielerorts kritisiert werden würde: Sind wir denn wirklich so intelligent und gut entwickelt? Oder haben wir evolutionsmässig einfach nur unverschämt viel Glück gehabt?
Meiner Ansicht nach: Nein. Denn solange es noch immer Menschen gibt, die aufgrund eines Buches, das alle "Weisheiten" eines chauvinistischen Analphabeten auflistet, andere hinrichten, und diese Schriften als ihr Glaubensbuch und den Leitfaden ihre Lebens bezeichnen, kann man nicht annehmen, dass wir in den letzten tausend Jahren sonderlich viel gelernt hätten. Wir unterschätzen die Macht der geschriebenen Worte immens. Sie können, da wo es an Bildung mangelt, zu unbeschreiblichen Grausamkeiten, Hass und Ablehnung führen. Ihr Weg leitet einen geradewegs ins Chaos, vorbei an jeglicher Vernunft, ohne Zwischenstopp, in einen Krieg.
Ich beziehe mich im Übrigen nicht (!) nur auf den Koran, alle Buch-Religionen sind meiner Meinung nach gefährlicher als alle Sprengstoffgürtel, Waffen und Panzer dieser Welt zusammengerechnet, das Christentum genauso wie der Islam. Sie sind es nämlich, in deren Namen diese Dinge sooft gebraucht werden.
Was in dieser Situation nun zum größten Problem wird: Die Radikalisierung der Bevölkerung und Spaltung der Gesellschaft. Gerade solche Aktionen führen zu Verallgemeinerung und Hass, zwei Dinge, die in Kombination hochexplosiven Stoff entstehen lassen, stark genug, um Nationen zu spalten. Es sind nicht alle gleich, nicht jeder Muslim, nicht jede Muslima ist Terrorist, sie sind genauso, wie wir, Menschen, und sie haben ebenso Angst. Es ist egal ob man Christ, Atheist, Jude, Muslim, Buddhist, Mormone, Methodist oder Zeuge Jehovas ist: Alles was jetzt zählt, ist das Attribut der Menschlichkeit, aufgrund dessen wir als Nation zusammenhalten müssen, um den Terror an seiner Wurzel zu bekämpfen. Gemeinsam, als weltoffenes und geeintes Österreich sind wir stark, nicht gespalten in Schwarz und Weiß.

Emma Maderthaner, 4701 Bad Schallerbach

Aufgerufen am 24.11.2020 um 08:28 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/fuer-mehr-toleranz-und-verstaendnis-anderen-gegenueber-95205790

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