Leserbrief

Gastronomie - quo vadis?

Erneuter Schlag in die geschundene Magengrube der Gastronomie.

Nun wissen wir Gastronomen endlich auch, wie egal wir den hohen Herrschaften in ihren Ledersesseln wirklich sind. Egal ob in der Wirtschaftskammer, der Landes- oder vor allem in der Bundesregierung. Es kann doch wahrlich nicht sein, dass unsere weltweit bekannte, geschätzte und Touristen anziehende Gastfreundschaft so viel falsch gemacht hat, um all diese Schläge der letzten Monate und inzwischen Jahre zu rechtfertigen. Welcher Politiker der derzeitigen Riege hat sich jemals der Verantwortung einer selbstständigen Betriebsführung gestellt? Ist sich dessen im Klaren, was es bedeutet, Löhne, Rechnungen, Pachten, Waren und vieles mehr zu bezahlen? Pünktlich bezahlen zu können vor allem. Was es bedeutet, wenn in einem eh schon schwer gestarteten Jahr, mit beinahe fünf Monaten Lockdown, mit Anfang Dezember Weihnachtsgelder zu bezahlen sind? Mitten im nächsten Lockdown. Und dabei wartet man zum Teil immer noch auf zugesagte Entschädigungen aus den vorherigen Schließungen. Was es bedeutet, seine Mitarbeiter zu motivieren und bei Laune zu halten, obwohl man selbst nicht mehr sagen kann, wohin es noch führt?

Wir Gastronomen, mit unseren noch verbliebenen großartigen Mitarbeitern, haben uns allen Aufgaben gestellt, so unfair und unverständlich diese auch oft waren.

Inzwischen kontrollieren wir unsere Gäste bereits, bevor wir sie überhaupt bewirten dürfen. Und warum das Ganze? Um wieder als erste Branche Einschränkungen und frühere Sperrstunden hinnehmen zu müssen? Um wieder eingekaufte Lebensmittel wegschmeißen zu müssen, weil die Gäste nun zu Silvester auch die Reservierungen wieder stornieren. Weil die Gäste in den Hotels wieder ausbleiben. Und der Handel wird darum gebeten, auch zu kontrollieren. Und wo wird es gemacht? Beinahe nirgends, wenn man ehrlich ist. Aber Salzburg geht ja hier mit "gutem" Beispiel voran. Hier muss der Handel ab Jänner an der Kasse dann kontrollieren. Nachdem der Einkauf also getätigt wurde. Sehr fair - denkt man sich da in der Gastronomie. Wir müssen beim Betreten kontrollieren, egal ob wir mehr Personal hierfür brauchen. Mit uns Trotteln kann man es ja machen. Wir haben ja keine großen Konzerne in unseren Reihen. Wir haben keine Lobby, keine lautstarke Vertretung.

Wenn es dann in Zukunft nur noch McDonald's und Co. gibt, wird sich hoffentlich so mancher Politiker noch erinnern können an die Zeit, als man im Kaffeehaus noch bedient wurde, als man in einem Wirtshaus noch ein Schnitzel frisch aus der Pfanne bekommen hat und einem an der Hotelbar der Ober noch Ideen für Ausflüge am nächsten Tag geben konnte. Check-in-Computer werden dies nicht mehr können.

Aber die Hoffnung schwindet. Heute kann sich ja auch beinahe kein Politiker mehr an richtige Stammtischdiskussionen erinnern. Das scheuen sie nämlich schon viel zu lange. Lassen Sie uns als Gastronomie doch Teil der Lösung sein und stellen Sie uns nicht immer als das Problem hin! Wie wollen Sie denn alle Garagenpartys und Privatfeste kontrollieren? In unseren Betriebsstätten ist dies möglich und wird auch gemacht. Und eventuell ergibt sich ja einmal eine ordentliche Stammtischdiskussion. Denn man muss nicht immer nur hinter verschlossenen Türen über das Volk entscheiden! Mit ordentlicher Wut im Bauch und viel Unverständnis im Herzen für die Abgehobenheit unserer Führungsriege.


Thomas Gschwandtner, Der Jägerwirt, 5101 Bergheim

Aufgerufen am 17.01.2022 um 10:30 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/gastronomie-quo-vadis-114663652

Schlagzeilen