Leserbrief

Gedanken zur Jahreswende

"Mein Gott, wenn das meine Mutter noch erlebt hätte", kommt mir gerade in den Tagen des Jahreswechsels in den Sinn, wenn mir immer öfter offensichtlich modebewusster Nachwuchs beiderlei Geschlechts begegnet.


Wie viel Arbeit, liebe Mutter, hättest du dir ersparen können. Du, wo du immer so bestrebt warst, deine fünf schulpflichtigen Kinder trotz ärgster Kriegs- und Nachkriegsnot wenigstens mit nicht zerrissenen Kitteln, Schürzen und Hosen außer Haus gehen zu lassen. Besonders dein Hosenboden- und ausgebeulte Knieröhren verschleißendes Bubentrio versorgte dich ständig mit Flick- und Näharbeiten. Und nicht selten zeigten sich Sorgenfalten auf deiner Stirn, wenn Flickflecke übereinander genäht werden mussten, weil ein Nebeneinander schon besetzt war.
Schade, liebe Mutter, dass sich für dich das Modekarussell um sieben bis acht Dezennien zu langsam gedreht hat.Und danke, liebe Mutter, du konntest ja nicht wissen, dass deine Kinder Pioniere gewesen wären, hättest du sie in fetzigen, zerrissenen Beinkleidern in die Schule geschickt...

Toni Aichhorn, 5611 Großarl

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