Leserbrief

Gedanken zur Karfreitags-Lösung

Schön - die Regierung hat mit dem Aufgeben der ursprünglich vorgeschlagenen Karfreitags-Halbtags-Lösung noch "rechtzeitig die Kurve gekratzt" und mit dem Vorschlag des "persönlichen Feiertages" vielleicht eine Lösung vorgeschlagen, die den zunehmend differenten Glaubensüberzeugungen in der Bevölkerung entgegenkommt und auch den Gleichbehandlungs-Wünschen der EU-Gerichtsbarkeit entspricht.
Weniger schön ist die Tatsache, dass diese Regelung - entgegen den ursprünglichen Versprechen - sehr wohl auch den Verlust eines freien Tages für die evangelisch Glaubenden bedeutet bzw. durch die vorgesehene Aufhebung der Bestimmungen des General-Kollektivvertrages auch entsprechende Auswirkungen auf die bisherigen Urlaubstage hat, wenn jemand dieses Recht auf einen "persönlichen Feiertag aus Glaubensgründen" in Anspruch nimmt.
Und dass diese Regelungen offenbar sehr bewusst ohne Einbeziehung von Arbeitnehmer-Vertretern ausgehandelt werden, finde ich mehr als bedenklich. Und das in einem Land, welches mit einer gelebten Sozialpartnerschaft jahrzehntelang auch im internationalen Ranking gut gefahren ist. Ist der Werbespruch "Geht's der Wirtschaft gut, geht's den Menschen gut" allein ausreichend schon für den sozialen Ausgleich und Frieden im Land, wo uns mit der zunehmenden Digitalisierung und Globalisierung massive Veränderungen in der Arbeitswelt bevorstehen, die nur im Miteinander von Arbeitnehmern und Arbeitgebern human und zukunftsweisend gelöst werden können?

Johannes Labner, Diözesan-Vorsitzender der Katholischen ArbeitnehmerInnen-Bewegung Steiermark,

Aufgerufen am 23.10.2020 um 01:42 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/gedanken-zur-karfreitags-loesung-66486508

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