Leserbrief

Gegen Vorurteile

Wir nehmen Bezug auf den Artikel "Gewalt im Klassenzimmer" (SN vom 11. 5. 19):
"Im Schuljahr 2017/18 sind insgesamt 258 Anzeigen (Anmerkung: in Wien bezüglich körperlicher Gewalt) eingegangen, davon 138 an Neuen Mittelschulen."
Solche Aussagen zementieren die Vorurteile, die in unserer Gesellschaft herrschen, ungemein ein! Das heißt, dass 120 Anzeigen bezüglich körperlicher Gewalt an anderen Schulen stattfanden!
Gewalt an renommierten Gymnasien wird mit Sicherheit weniger angezeigt. Es gilt, einen Ruf zu verlieren und dem setzen sich weder Eltern noch Lehrer/-innen noch Direktor/-innen aus. Da wir als Eltern von zwei Kindern den Vergleich von beiden Schulformen haben, stellen wir fest, dass alle diese Vorurteile in unserem Fall nicht stimmen. Ganz im Gegenteil, die Gewaltbereitschaft und andere massive Auffälligkeiten am Gymnasium waren wesentlich höher. Diese Beobachtung steht mit Sicherheit auch mit den extrem bemühten und motivierten Lehrer/-innen an der Mittelschule in Zusammenhang. Außerdem nervt es uns zunehmend, dass Schüler/-innen, die nicht Deutsch als Erstsprache haben, sozial problematisch und lernunwillig dargestellt werden. Die Freunde unseres Sohnes, die Deutsch nicht als Erstsprache haben, sind weder lernunwillig noch sozial auffällig, ihre Eltern gastfreundlich und sehr aufgeschlossen.
Was für uns aber zunehmend bemerkbar ist, dass Eltern von österreichischen Kindern sich zunehmend abwertend verhalten, wenn wir Multikulturalität, eine Durchmischung der sozialen Schichten und das Konzept der Mittelschule als gelungen empfinden.

Georg Steiner und Mag. Uta Kücher, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 13.12.2019 um 06:49 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/gegen-vorurteile-70220176

Schlagzeilen