Leserbrief

Generelles Großelternverbot ist zu kurz gegriffen

Bei allem Respekt vor dem professionellen Krisenmanagement der Regierung - die Regeln und Empfehlungen werfen, kaum ausgesprochen, viele Fragen auf.
Besonders die Erklärung, dass Großeltern "keinesfalls" zur Betreuung der Kinder herangezogen werden dürfen, muss in der Realität doch, wie auch der Unterrichtsminister in der ZIB am Mittwochabend formuliert hat, mit "Augenmaß" interpretiert werden:
Was ist, um ein Beispiel zu nennen, mit den vielen erziehenden (teilweise alleinerziehenden) Großeltern, die mit ihrem Enkelkind zusammenwohnen? Müssen sie dieses jetzt vor die Türe setzen? Gibt es da eine Altersgrenze? Viele von ihnen mögen über 65 sein und ja, vielleicht auch eine sogenannte Vorerkrankung haben. Ist nicht zu befürchten, dass sie, weil sie unaufgeregt weiterhin den übernommenen Pflichten nachkommen, vorwurfsvollen Blicken bzw. Kommentaren von Verwandten und Nachbarn ausgesetzt sind?
Oder jene, die einen wöchentlichen Jour-fix in der Betreuung übernommen haben, ohne den das Familieneinkommen (und die berufliche Zukunftssicherung meist der Mutter) gefährdet wäre? Müssen diese Fixtermine jetzt gestrichen werden, um den Eltern damit noch eine weitere Last aufzubürden?
Ich bin im Alter von 45 Jahren erziehende Großmutter geworden, und kenne andere, die in einer vergleichbaren Situation waren oder sind.


Michaela Walchhofer, 5023 Salzburg

Aufgerufen am 01.12.2021 um 02:58 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/generelles-grosselternverbot-ist-zu-kurz-gegriffen-84740632

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