Leserbrief

Gerade jetzt nicht wegschauen!

Durch die Corona-Krise rückt die Tatsache immer mehr in den Hintergrund, dass in den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln über 42.000 Menschen, darunter 1.800 unbegleitete Minderjährige ohne Eltern, unter katastrophalen hygienischen Bedingungen leben müssen. Natürlich, wir haben jetzt andere Sorgen. Und die werden uns noch länger beschäftigen. Und die Ängste der Bevölkerung müssen unbedingt ernst genommen werden. Alle menschenmöglichen Anstrengungen müssen unternommen werden, das Virus in Österreich einzudämmen. Aber wir sollten uns bewusst machen, dass das Corona-Virus möglicherweise auch vor den Flüchtlingslagern nicht Halt macht. Und dort ist 1 Meter Abstand halten und Hände waschen (es gibt nur 1 Wasserhahn für 1300 Menschen) illusorisch. Nicht auszudenken, was passiert, wenn das Corona-Virus im überfüllten Flüchtlingslager Moria auf Lesbos ausbricht. Eine humanitäre Katastrophe ungeahnten Ausmaßes. Und es gibt bereits den ersten Corona-Fall auf der Insel und die Menschen im Lager haben Angst vor einer Ansteckung. Wenn wir in Österreich im Zuge der Corona-Krise 38 Milliarden für die Wirtschaft locker machen können, hätten wir vielleicht auch das Geld, zumindest 150 unbegleitete und kranke Kinder aus den Lagern herauszuholen und einen finanziellen Beitrag für den Bau kleinerer und menschenwürdiger Lager in Griechenland zu leisten. Platz hätten wir auf jeden Fall in den leerstehenden Flüchtlingsheimen. Was fehlt, ist der politische Wille.


Mag. Dr. Eduard Waidhofer, 4203 Altenberg

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