Leserbrief

Gerechtigkeit bei Grenzübertritten

Ich lebe in Salzburg, meine einzige Tochter, die zurzeit hochschwanger ist, und mein dreijähriges Enkelkind leben sieben Kilometer von mir entfernt in Freilassing. Als Mitte März die Grenzen geschlossen wurden, war ich zuerst verzweifelt und fassungslos, dass so etwas innerhalb der EU passieren darf und kann. Darauf folgten viele Wochen der Hoffnung, dass es für Familien doch eine Lösung gibt, einander sehen zu können. Leider ist dem nicht so. Meine Tochter hat versucht, mich zu besuchen, und wurde an der Grenze abgewiesen, da ich kein Pflegefall bin. Ich bin 47 Jahre und Gott sei Dank sehr gesund. Ich möchte auch keine Krankheit erfinden müssen, um mein Kind sehen zu dürfen. Es ist für uns unverständlich, dass man sich um ein Pferd in Deutschland kümmern darf, aber das eigene Kind nicht sehen darf. Auch den Lebenspartner darf man besuchen, sein Kind aber nicht. Es ist leicht, eine Partnerschaft vorzutäuschen oder mit selbst ausgefüllten Pendlerbescheinigungen hin und her zu fahren, aber es ist unmöglich, auf ehrlichem, legalem Weg sein Kind zu sehen. Es kann einem auch niemand wirklich weiterhelfen, trotz unzähliger Telefonate und E-Mails, da es anscheinend im Ermessen der Genzbeamten liegt, ob man einreisen darf oder nicht. Ich bin mittlerweile psychisch am Ende, einfach nur mehr wütend und grenzenlos enttäuscht, dass man offenbar nur mit Lügen und Betrügen sein Ziel erreicht. Ich hätte das nie für möglich gehalten. Mein Glaube an die Gerechtigkeit hat sich in Luft aufgelöst.

Ulrike Strohmeier,
5020 Salzburg

Quelle: SN

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