Leserbrief

Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit

Der unbescholtene Lehrling Ali Wajid war im Kirchenasyl im Stift St. Petr in Salzburg untergebracht. Mit dem Innenministerium war vereinbart, dass er sich wöchentlich bei der Polizei meldet. Nun wurde sein letzter Routinebesuch in Begleitung seines Betreuers tatsächlich sein letzter: Schubhaft. Ihm droht die Abschiebung. Die bei uns an der Macht sind, wollen ihm nicht helfen - z. B. ein humanitäres Bleiberecht gewähren - die anderen können ihm nicht helfen. Das Kalkül der Regierung ist, durch Härte Wählerstimmen zu sammeln. Vielleicht gewinnen sie so Wahlen, aber nicht das Paradies. Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit ist Grausamkeit.

Ich habe erlebt, dass es auch in der Bevölkerung nicht wenige gibt, die mit Vergnügen zusehen, wie sich die Türe hinter einem Abzuschiebenden schließt. Es erinnert mich an Transporte in ein KZ, die von vielen in der Nazizeit begafft und beklatscht wurden. Und wie wird es Ali und den vielen anderen in ähnlicher Situation gehen? Mir fällt dazu der Gospelsong ein: Nobody knows the trouble I´ve seen, Nobody but Jesus.


Anton Winter, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 23.10.2020 um 04:07 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/gerechtigkeit-ohne-barmherzigkeit-65246293

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