Leserbrief

Gewalt an Schulen?

Es passiert wahrscheinlich tagtäglich an Österreichs Schulen: Einem/Einer Lehrer/in wird Gewalt angedroht, ein Schüler wendet Gewalt bei einem Mitschüler an. Nun kamen neue Lösungen, wie Time-out-Klassen. Ein Blick in das heimische Schulunterrichtsgesetz würde genügen, um festzustellen: Es gibt bereits Handhabe! Der neue Vorschlag ist also die Time-out-Klasse. Dabei hat man sich schon zu fragen: Soll ein Schüler, der zuvor gewalttätig geworden ist, nach einer gewissen (laut den Vorschlägen eher kurzen) Zeit wieder ins selbe Klassenzimmer zurückkehren? Ist er dann wieder völlig "ungefährlich"?

Darüber lässt sich freilich streiten. Aber, es gibt bereits jetzt Möglichkeiten, die z. T. über das Geforderte hinaus gehen. Die Mitwirkung der Schule an der Erziehung ist in § 47 des Schulunterrichtsgesetzes (SchUG) geregelt. Dabei kann der unterrichtende Lehrer, der Klassenvorstand oder in besonderen Fällen die Schulbehörde einen Schüler auffordern, zurechtweisen oder ihm bei positivem Verhalten Anerkennung schenken.

Reicht das nicht aus, kann der Schulleiter (Direktor) einen Schüler, wenn dies "aus erzieherischen Gründen oder zur Aufrechterhaltung der Ordnung notwendig erscheint", in eine Parallelklasse versetzen.

Gefährdet das Verhalten eines Schülers dauerhaft die "Sittlichkeit, körperliche Sicherheit" oder "das Eigentum" von in der Schule aufhältigen Personen, oder verletzt ein Schüler seine Plichten (§ 43 SchUG) in schwer wiegender Weise, so hat die Schulkonferenz einen Antrag auf Schulausschluss an die entsprechende Schulbehörde zu stellen. Dies gilt zumindest bei Schülern, die bereits die Schulpflicht vollendet haben.

Die Schulbehörde hat dann, bei Gefahr in Verzug, den Schüler unverzüglich zu suspendieren, wobei die Suspendierung höchstens vier Wochen lang dauern darf.
Nach Ende des Verfahrens darf der Schüler entweder die Schule wieder besuchen oder ist vom Schulbesuch bis auf Weiteres ausgeschlossen. Kommt der Schüler von einer Suspendierung in die Schule zurück, so darf er, sofern dies überhaupt notwendig ist, eine Feststellungsprüfung machen.

All das regelt § 49 des Schulunterrichtsgesetzes. Mein Appell daher: Nutzen wir die bestehenden Möglichkeiten, anstatt Neues zu fordern und schöpfen wir die Rechtslage aus, sofern dies sachlich gerechtfertigt und notwendig ist, sodass in der Schule wieder mehr gearbeitet werden kann, anstatt sich unnötigerweise um Vorfälle wie in einer Wiener HTL kümmern zu müssen!

Lucas Ammann, 6840 Götzis

Aufgerufen am 21.05.2022 um 02:38 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/gewalt-an-schulen-71616583

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