Leserbrief

Gewinnmaximierung hat sich überholt

Das Herunterfahren der Wirtschaft auf staatliche Anordnung hin ist in Krisenzeiten sicherlich gerechtfertigt, doch die Wirtschaft fordert reflexartig Unterstützung vom Staat und der Gesellschaft, wiewohl sich die Wirtschaft in guten Zeiten eine Einmischung bzw. Regulierung durch den Staat vehement verbietet. Wo sind all die Millionen- bzw. Milliardengewinne der Betriebe und Konzerne, von denen man in den Wirtschaftsgazetten immer wieder liest? Diese Gewinne könnte man in Krisenzeiten zur Weiterführung der Unternehmen und Gehaltsfortzahlungen der Mitarbeiter verwenden, ohne den Staat und somit die Steuerzahler zu belasten.
Es schleicht sich ein ungutes Gefühl ein, entweder sind all die Umsatz-, Gewinn- und Ertragsmeldungen der Wirtschaft nur Schall und Rauch oder es wird auch in Krisenzeiten Gewinnmaximierung betrieben, und das auf Kosten der Allgemeinheit. Es geht hier explizit um die Gewinne der Konzerne, großer und mittlere Betriebe, nicht um die vielen Klein- und Einmann- bzw. Einfrauunternehmen (Physiotherapie, Friseure, IT), die in dieser Krise ohne staatliche Hilfe untergehen würden.
Mein Großvater, ein einfacher steirischer Landwirt, hätte zur gegenständlichen Causa folgenden Ausspruch getan: "Die Gier und der Neid frisst das Vieh und die Leut." Ins Neudeutsche übersetzt: Hemmungslose, gierige Gewinnmaximierung, Menschen ohne Bedenken zu kündigen, ihrer Existenz zu berauben.

Hans Hollerer, 8630 Mariazell

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