Leserbrief

Gewohntes Ritual: Vom Krach zur guten Laune und retour

Was Alexander Purger ("Was Türkis-Grün von Rot-Schwarz unterscheidet", SN v. 28. 7.2021) schreibt, ist auch eine wichtige Feststellung in politischer Bildung, quasi ein Lehrsatz: "Es wird nicht so heiß gegessen, wie gekocht".

Denn: Die Bürger erleben immer wieder das wohl unveränderliche politische Ritual. Koalitionspartner streiten, haben mal mehr mal weniger Krach, es gibt den Austausch gegenseitiger Unfreundlichkeiten, auch die lieblich klingenden Worte "Verstimmungen" oder "Scharmützel" werden gern verwendet. Differenzen und auch Konflikte sind wohl normal, haben die jeweiligen Kooperations-Parteien doch ihr eigenes Profil zu verteidigen oder zu schärfen. Soweit braucht man das Ganze nicht zu überdramatisieren, was manche Medien immer gerne machen. Wenn sich die Politik-Akteure dann aber wieder auf ihre Arbeit besinnen, inszenieren und demonstrieren sie auch Einigkeit, Harmonie und sogar gute Laune. Diese gewohnte Dauer-Taktik scheint auch zu funktionieren, solange die Partner arbeitswillig gemeinsam Ergebnisse und Pläne vorzeigen können und Problemlösungen auf den Weg bringen wollen. Wie Purger feststellt, habe dies rückblickend bei der Großen Koalition offensichtlich nicht mehr funktioniert, da dürfte es nur mehr und zu lange gegenseitige Lähmung und Stillstand gegeben haben.


Karl Brunner, 9020 Klagenfurt

Aufgerufen am 27.10.2021 um 08:44 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/gewohntes-ritual-vom-krach-zur-guten-laune-und-retour-107281543

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