Leserbrief

Gibt es noch Original Bosna?

Zum "Lokalpatriot" vom 14. 5. 2019 und 28. 5. 2019: Sehr geehrter Bayer, Migrationswürste sind offenbar alle, zumindest viele: Polnische, Krakauer, Wiener, Lyoner, Prager Schinken, Mailänder Salami, Frankfurter, Nürnberger Rostbratwürstl usw. Weil es keinen anständigen heißen Leberkäse mehr gibt, sondern nur mehr so aufgewärmte Fettklötze aus Glastabernakeln, muss man sich mit Ablenkung beschäftigen.

Es geht um die Wurst: Die Verfasserin weiß viel über die Bosna, aber nicht alles.

Es gibt überhaupt keine Original Bosna mehr, das sind Diskussionen um des Kaisers Bart: Weil das Brot, ein "Hamburger", ein glattes Stangerl , früher aus der Wiener Bäckerei in der Getreidegasse oder aus der ersten Salzburger hygienischen Dampfbäckerei in der Griesgasse gekommen ist. Heute werden sog. "Bosna Weckerl" eingesetzt und ein Hamburger ist heute ganz was anderes, was man in der Bäckerei nicht kriegt, die nicht mehr frisch getoastet werden, sondern aus der Tiefkühltruhe kommen, vorbehandelt werden und irgendwie reaktiviert und kalt und staubig sind. Weil der Petersil und die Zwiebel längst nicht mehr ausgesuchte Sorten vom Bulgari Gärtner an der Rudolf-Biebl-Straße sind, sondern das Letzte, was im Großmarkt am untersten Preis aufzutreiben ist.

Senf ist eine Variation und nicht im Grundrezept. Den Original Estragon Senf gibt es längst nicht mehr (vermutlich war es Mautner Markhof, der seinerzeit in Aigen noch eine Niederlassung hatte). Billigst-Senf im 10-liter-Kübel kommt heute zum Einsatz und der wird mit billigstem Essig, wie das auch auf Wüstlstandl üblich ist, gestreckt.

Welche Rolle spielt die ehemalige Metzgerei am Müllner Hügel (vermutlich "Strobl")? Da gibt es Gerichtsverhandlungen. Von da sind nämlich in den 50er die Würstl gekommen. Das wird verschwiegen.

Wenn behauptet wird, dass das Gewürz Curry sei, ist die Frage, welcher Curry? Von Frau Winkler von Wiberg weiß ich, dass allein Wiberg 400 Curry-Rezepte gespeichert hat. Curry ist eine Pfeffer-Mischung indisch-pakistanisch-asiatisch, wo halt der Pfeffer wächst.

Das Schweinefleisch hat längst nicht mehr die Qualität, weil die damals üblichen Rassen nicht mehr gehalten werden.

Die besten Bosna von Salzburg hat es die längste Zeit beim Julius am Aiglhof gegeben. Der musste leider dem Krankenhaus weichen.

Unglaublich ist die Preissteigerung bei anhaltendem Qualitätsverlust. Eine Bosna hat 1970 8 Schilling gekostet. Das sind 0,60 Cent. Der 66er-Index steht auf 374%, das wären dann 38 Schilling oder 2,80 Euro.

Wenn original, dann auch Preis original: 2,80 Euro!

Otmar Hutya, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 18.05.2022 um 03:02 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/gibt-es-noch-original-bosna-71258281

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