Leserbrief

Gier, übersteigertes Ego, Kontrollversagen

Die Commerzialbank Mattersburg (CMB) zahlte ihren teilweise profitgierigen Einlegern weit überhöhte, nicht marktübliche Zinsen und verzerrte dadurch über Jahre den Markt für den Mitbewerb. Das passt auch zum Muster von bisherigen, ähnlichen Bankzusammenbrüchen (z.B. Riegerbank, BHI, usw.). Dass aber die Einleger, die mit dieser Pleitebank von den überhöhten Zinsen, die ihrer Einlage gutgeschrieben wurden, profitieren, indem die anderen Banken auch diesen Schaden über die Einlagensicherung (ELS) mitbezahlen, ist schlichtweg unanständig. Dem kann man nur durch einen Selbstbehalt in derartigen Fällen begegnen. Der regionale Obermacher und Selbstdarsteller Martin Pucher hatte es 1995 zuwege gebracht, durch Beschluss der Gremien (Vorstand, Aufsichtsrat, General- als Eigentümerversammlung der Mitglieder der Genossenschaft) aus dem Raiffeisenverbund auszutreten - die Solidargemeinschaft und die Revision, die ihn damals wegen Unregelmäßigkeiten bereits im Focus hatten, erschienen ihm zu eng und zu streng. Er wollte ja eine "richtige" Bank, mit der er etwas bewegen und damit sein Ego befriedigen konnte. Nur müssen ihm dabei auch andere mitspielen, zu allererst der Aufsichtsrat als gewählte Eigentümervertreter. Dass genau jetzt aber Raiffeisen einen großen Teil des enormen Schadens von mehr als 500 Millionen Euro im Wege der ELS bezahlen muss, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Dir. Josef Kröll, 5733 Bramberg

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