Leserbrief

Gleichgewicht des Schreckens

Zum Beitrag "Nur keine Nerven zeigen" (SN v. 12. 1.) gab es 1962 schon eine ähnliche Situation, nachdem die Sowjetunion von Kuba aus die USA mit Raketen bedrohten. US-Präsident Kennedy zeigte keine Nerven und drohte den Sowjetrussen ultimativ mit einem Atomschlag, falls sie nicht ihre Raketen abtransportierten. Die Welt stand damals am Abgrund zum Atomkrieg. Die Russen transportierten ihre Raketen ab. Es entstand ein gewisses "Gleichgewicht des Schreckens". Vor mehr als 10 Jahren gaben die USA mit der NATO bekannt, einen Raketenschirm in Rumänien und Polen aufzubauen. Präsident Putin warnte die USA und NATO eindringlich davor, damit dieses Gleichgewicht zu verschieben. Sie haben es aber trotzdem getan und die NATO steht heute vor der Ukraine. Der NATO-Gürtel hat sich in den letzten 30 Jahren immer enger um Russland gezogen. Damit wird auch Russland in die Arme Chinas getrieben, was Europa sicher nicht will. Die EU sitzt gar nicht am Verhandlungstisch mit USA, NATO und Russland. Warum? Die Ukraine und Russland liegen ja auch in Europa und im Kriegsfall läuft das auf europäischem Boden ab, mit Schaden auch für die EU. Die EU könnte Lösungen anbieten z.B. eine neutrale Ukraine ähnlich dem erfolgreichen, österreichischen Vorbild aus 1955 mit Garantien von USA, NATO, Russland (GUS) und EU. Damit gäbe es keine NATO-Truppen an der russisch-ukrainischen Grenze, die ja keine 800 Kilomete von Moskau entfernt liegt, und es würde vielleicht das Gleichgewicht wieder etwas hergestellt.

D.I. Olav Kerp, 5020 Salzburg

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