Leserbrief

Gratwanderung zwischen notwendigem und verantwortbarem Wachstum

Nach der pandemiebedingten wirtschaftlichen Rezession wird es über viele Jahre eine schwierige und konfliktreiche Gratwanderung zwischen notwendigem und verantwortbarem Wachstum und Klimaschutz geben. Herr Leo Graf aus Wien wiederholt dazu in seinem Leserbrief vom 2. August nur, was sich Teile der Gesellschaft zu lange auf ihre Fahnen geschrieben haben: Das System fordert Wachstum; und das grenzenlos und unaufhörlich. So als ob nicht seit Jahrzehnten die "Grenzen des Wachstums" aufgezeigt worden wären. So als ob es nicht Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg einen gebändigten Kapitalismus gegeben hätte. Dann lief einiges aus dem Ruder, was zur Wirtschaftskrise 2008 führte. Die Reaktionen waren zu wenig konsequent.
Wenn man diese Wirtschaftsideologie zu Ende denkt, dann führt das zu noch viel mehr Millionen von Menschen, die unter unerträglicher Hitze und Sintfluten leiden, darin umkommen oder flüchten. Ich halte überhaupt nichts von Weltuntergangsphantasien, aber die Bilder, die seit Jahren um die Welt gehen, sind apokalyptisch und das Leid der Betroffenen fast unerträglich. Nach den beiden schlimmsten Rückfällen der Menschheit in die Barbarei im 20. Jahrhundert hat man erkannt, das Kriege kein Problem löst. Wenn man jedoch weiter so raubbauartig wirtschaftet, dann sind Kriege um die Ressourcen vorprogrammiert.
Die Pandemie mit ihren Begleiterscheinungen lässt uns alle darüber nachdenken, was wir zu einem guten Leben wirklich brauchen. Sie hat auch aufgezeigt, was Politik kann, wenn es notwendig ist. Es müsste gut kommuniziert werden. Ein Umdenken ist im Gange. In Wirtschaft und Politik muss anders gehandelt werden und es gibt Ansätze dafür. Das Wissen dafür ist vorhanden; man muss es auf allen Ebenen umsetzen.



Dr. Josef Schilcher, 5161 Elixhausen

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