Leserbrief

Grenzenlose Arroganz

Zum Leserbrief "Mensch und Klimawandel" von Franz Laimer (SN vom 26. 9.):

Eine typisch europäische Art zu denken: Erst fallen wir wie die Heuschrecken über "weniger hoch entwickelte Länder" her. Wir beuten dort die Bodenschätze unter Inkaufnahme großflächiger Zerstörung aus. Wir brennen Wälder nieder, um Platz für die Produktion unseres so geliebten Fleisches zu haben. Wir lassen dort unter unmenschlichen Bedingungen die Dinge produzieren die wir meinen zu brauchen. Wir lassen es geschehen, dass die Mafia unseren Wohlstandsmüll wieder genau dort in Flüsse kippt.

Wir sitzen in unserem Einfamilienhäuschen inmitten unserer Fernseher und Kühlschränke und bauen einen schönen Aluzaun um unser Gärtchen. Und wenn dann "von da unten" wer flüchtet weil die übernächste Quelle auch schon vergiftet ist und er seine Kinder in einem der vielen Stellvertreterkriege, die wir dort führen, verloren hat dann fühlen wir uns bedroht.

Und wenn es die Klimaerwärmung in unser Bewusstsein schafft, weil selbst unsere tausend Dinge uns nicht mehr davon ablenken können, dann schieben wir "den Entwicklungsländern" die Schuld zu. Zu viele Menschen, zu viel CO2. Zack zack zack. Einfache Lösungen müssen her.

Herr Laimer, wenn Sie schon die Geburtenkontrolle zur Lösung des Problems anführen, dann bitte da wo die Methode auch viel bewirkt: Wenn Sie kein Kind bekommen dann sparen Sie damit 6,48 t CO2/Jahr. Wenn ein Nigerianer oder Tansanier kein Kind bekommt, sparen Sie 0,1 t CO2/Jahr. (Spiegel online, 13. 12. 18). Ihr Kind verbraucht so viel wie 65 Nigerianer. Geburtenkontrolle? Viel Spaß beim Diskutieren…

Unsere scheinbar grenzenlose Arroganz sollten wir vor der Diskussion auf jeden Fall ablegen.


Felix Frieder, 5421 Adnet

Aufgerufen am 04.12.2020 um 10:25 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/grenzenlose-arroganz-76836472

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