Leserbrief

Grenzenlose Liebe - von wegen!

Ich hatte schon immer eine gewisse Affinität zu unserem Nachbarland Österreich. Die schöne Bergwelt, Kaffeehäuser, schöne Städte, die österreichische Küche und nicht zuletzt die feschen Österreicher. Vielleicht eine angeborene Schwäche, da meine Oma eine Tirolerin war? Wie praktisch, dass im Online Dating Portal der Suchradius beliebig verschiebbar ist, das Angebot vom Tiroler bis zum Salzburger recht vielversprechend scheint und ich sogar fündig werde. In Zeiten ohne Corona kein Problem. Doch jetzt? Mitten in meinen grenzüberschreitenden Aktivitäten der erste Lockdown: Grenzen geschlossen. Schnell kommt ein Gefühl, ja, fast der Romantik auf. Die Sehnsucht nach dem Unerreichbaren hat ihren Reiz. Umso schneller aber auch die Ernüchterung: Treffen unmöglich. Was folgt sind Burschen, die sich hinter der Grenze verstecken und dadurch über sich hinaus wachsen in großen Worten, denen keine Taten folgen. Männer, die mich wegen meinem Wohnort hinter der Grenze löschen wie ungeeignete Ware und waghalsige Pläne, die grüne Grenze zu überschreiten. Aber auch der Ritter auf dem weißen Pferd taucht auf und steht auf der anderen Seite des Grabens, bereit, Bayern zu erobern. Ich bin fassungslos, kann es nicht glauben, wie schnell es vorbei ist mit Einheit und Grenzenlosigkeit. Irgendwann bin ich im Besitz der Unterlagen, die meine Grenzgänge legalisieren, aber nie ohne ein mulmiges Gefühl im Bauch. Bundesheer auf der einen, deutsche Polizisten auf der anderen Seite. Unterschiedlichste, bis keine Infos darüber, was erlaubt ist. Erfassung der Einreise- und Ausreisezeit. Schleierfahnder überall. Ich fühle mich wie ein Verbrecher. Bis heute hat mich dieses Gefühl nicht ganz verlassen, wenn ich die bewaffneten "Grenzer" passiere. Noch mehr aber macht es mich traurig, was innerhalb so kurzer Zeit mit uns und unserer grenzenlosen Freiheit passiert ist. Ich fühle mich eingesperrt und entmündigt. Heute, fast ein Jahr später, befinden wir uns im zweiten Lockdown, Ende ungewiss. Herr Söder und Herr Kurz halten nicht mehr viel von Nachbarschaft. Aber liebe Österreicher, lassen wir uns nicht beirren und halten wir zusammen! Nur die Liebe zählt! - Auch zwischen Bayern und Österreich!

Barbara Langerspacher, D-83236 Übersee

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