Leserbrief

Greta Thunberg hat recht

"Wir befinden uns am Anfang eines Massenaussterbens, und alles, woran ihr denken könnt, sind Geld und Märchen von ewigem Wachstum" - Greta Thunberg hat Recht und man kann diesem jungen Mädchen nicht genug Respekt für ihr mutiges Engagement bezeugen.

Bereits in meiner Schulzeit in den 1980er-Jahren wurde viel über das Waldsterben, über erschöpfte Ressourcen - man erinnere sich an die Berichte des Club of Rome - und eine neue, das heißt ethisch und ökologisch gerechte Ökonomie diskutiert. Small is beautiful hieß ein erfolgreiches Buch des Ökonomen Ernst Friedrich Schumacher, das ich damals mit Begeisterung las. Es gab Hoffnung, dass sich die Welt zum Wohle aller Menschen verändern könnte. Doch warum nahm die Politik seine wie auch die Vorschläge Robert Jungks oder Leopold Kohrs - zwei (Wahl-)Salzburger - nicht ernst? Weil sie sich nach der Wende von 1989 alternativ- und kopflos dem Kapitalismus ans Herz schmiss. Im selben Atemzug warf unsere Gesellschaft sozial(istisch)e ebenso wie christliche Tugenden wie Solidarität, Gerechtigkeit oder Bescheidenheit über Bord.

Die Verantwortung liegt aber schlussendlich bei uns selbst: Wenn wir jetzt nicht aus unserer selbstverschuldeten Unmündigkeit (Kant) und saturierten Wohlstands-Bequemlichkeit aufwachen, hat die Generation von Greta Thunberg und deren Kinder wenig reale Überlebenschancen. Der oft zitierte Satz "Geht's der Wirtschaft gut, geht's uns allen gut" übersieht neben dem Faktum, dass es "die Wirtschaft" als fixe Größe nicht gibt (da sie von uns Menschen gemacht wird), nämlich eine andere Gleichung: Der Klimawandel, die Ungerechtigkeit der weltweiten Verteilung von Ressourcen, Nahrung und Wirtschaftsgütern sowie die Migration hängen einfach, wenn auch kompliziert zugleich zusammen, was die Trumps dieser Welt nicht einzusehen imstande sind.

Dr. Bernhard Judex, 5323 Ebenau

Aufgerufen am 27.09.2020 um 03:48 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/greta-thunberg-hat-recht-76747063

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