Leserbrief

Großprojekt nicht dem Kleingeist opfern

Als gebürtige Stadt-Salzburgerin ärgere ich mich seit vielen Jahrzehnten über den Kleingeist und die fehlende Weitsicht eines beachtlichen Teils der Salzburger Bevölkerung und deren Politiker. Man denke etwa nur an die Misere mit dem Autoverkehr auf dem Gaisberg. Was wäre das heute doch für eine Attraktion, hätten wir noch eine (inzwischen modernisierte) Zahnradbahn auf den Gaisberg und keinen abgasverseuchten Hausberg. Der Schafberg zeigt uns das. Was wäre das heute für eine Attraktion, hätten wir heute noch eine (inzwischen modernisierte und elektrifizierte) Ischlerbahn inklusive Abstecher nach Mondsee. Eine tolle West-Ost-Verbindung ins Salzkammergut. Aber alles wurde in einem falschen Modernitätswahn ohne Weitblick auf die Zukunft dem Autoverkehr geopfert. Genauso wie die Lokalbahn, die noch in den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts von Oberndorf über den Bahnhof Salzburg, die Schwarzstraße und die Imbergstraße bis zum Bahnhof Parsch führte.

Nun werden in Salzburg zwei zukunftsorientierte Großprojekte wieder in Frage gestellt:
Das erste ist der Ausbau der Parkgarage: Diese war ursprünglich ausreichend groß genug. Doch die Autoindustrie erzeugte immer größere und breitere SUV, sodass die Stellplätze verbreitert werden mussten und damit ihre Anzahl wesentlich verringert wurde. Für Veranstaltungen im Festspielbereich und in der gesamten Innenstadt ist aber eine ausreichend große Garage unbedingt erforderlich. Die Gegner des Ausbaus übersehen dabei auch, dass diese Garage ja eine ganz wichtige Zusatzfunktion als Schutzstollen bei eventuellen Gefahren und Bedrohungen darstellt. Diejenigen, die noch die Luftschutzstollen in unseren Stadtbergen im 2. Weltkrieg erlebten, wissen, wovon ich spreche.

Das zweite Projekt ist der S-Link: Hier wird fälschlicherweise immer von einer Salzburger U-Bahn gesprochen! Diese wäre heute nicht notwendig, wenn nicht alle Schienenfahrzeuge durch die Stadt zu Gunsten des Autos entfernt worden wären. Außerdem ist dieses zukunftsorientierte Projekt eine unumgängliche Nord-Süd-Verbindung, die den ganzen Pendler-, Einkaufs- und Touristenverkehr von Oberndorf bis Hallein (ja sogar bis Golling) aufnehmen kann. Wenn man künftig einmal bei einer Haltestelle "Mirabellplatz, Platzl oder Karolinenbrücke" aussteigen kann, dann wird diese Bahn auch stark frequentiert werden. Das wäre wirklich eine effektive Entlastung vom Autoverkehr aus dem Umland in die Stadt. Opfern wir dieses Projekt doch nicht wieder dem Kleingeist und der Kurzsichtigkeit! Unser Geld wurde sicher schon für viel Sinnloseres ausgegeben als für diese vorausschauende Investition in künftige Generationen.


Erika Schlegel, 5400 Hallein

Aufgerufen am 26.09.2022 um 05:39 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/grossprojekt-nicht-dem-kleingeist-opfern-123603244

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