Leserbrief

Gruft beschäftigte Spezialkommission

Zum Artikel "Warum Leichen im Keller der Universität liegen", im SN-Lokalteil vom
10. Jänner 2022:

"Warum Leichen im Keller der Universität liegen", respektive sitzen, beschäftigte schon Ende der 1960er-Jahre eine universitäre Spezialkommission, der ich als wissenschaftliche Hilfskraft Prof. Hans Wagners assistieren durfte. Da saßen sie, die bemitleidenswerten Professoren in ihren Gräbern, der eine gefährlich über den vorm Herunterfallen schützenden Balken gebeugt; der andere kaum mehr kenntlich an der Rückwand zusammengekauert. Alle in ihren Talaren, oder was davon übrig war. Einer sogar mit repräsentativer Kopfbedeckung - der dann als Modell für die neue universitäre Festkleidung diente. Prof. Wagner ärgerte sich fürchterlich über diesen "Sonntagsdeckel", musste ihn aber als Rektor aufsetzen.

Ein würdiges Vorbild für eine solche Ausstaffierung lieferte die Universität Wien, die 1965 zur 600-Jahr-Feier um teures Geld die ganze Universität neu eingekleidet hatte; und in Salzburg stand die 350-Jahr-Feier vor der Tür. Gerüchten zufolge gab es auch ein knielanges Modell für Assistenten; von einer noch kürzeren Variante für wissenschaftliche Hilfskräfte ist mir nichts erinnerlich.

Den Talaren und Hüten war jedoch angesichts der 68er-Bewegung kein langes Dasein gegönnt. Die nutzlos gewordenen Requisiten erhöhten am Institut für Geschichte noch jahrelang die Stimmung bei Hausfesten.

Übrigens war sogar die Wiederverwendung der Kolumbariengruft unter der Universitätskirche für verstorbene Professoren im Gespräch. Doch das haben die davon ausgeschlossenen Gattinnen verhindert, die nicht von ihren Gatten getrennt werden wollten - je nach Glaubenszuversicht auf ewig oder auf unbestimmt lange Zeit.

Hanns Haas, 5101 Bergheim

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