Leserbrief

Haben demente Menschen ein Recht auf ihren Sturz?

Die drei Netten von der Rettung brachten unsere demente Mutter nach einem Sturz ins Krankenhaus, mit dem Hinweis, wir dürften sie nicht begleiten. Jedenfalls kam sie mit einer Gipshand zurück und es dauerte Wochen, in denen wir sie verzweifelt mobilisiert haben, bis ihre Schambeinbrüche entdeckt wurden.
So viel zu einem Teil der Vorgeschichte.
Mittlerweile ist sie im Seniorenwohnheim Thalgau untergebracht und wird dort zu unserer großen Erleichterung sehr freundlich und kompetent betreut. Trotzdem hat sie sich in den letzten drei Monaten den Oberschenkelhals gebrochen und musste nach einem weiteren Sturz an der Schädeldecke genäht werden. Dennoch marschiert sie wieder, worüber wir und das Personal uns freuen, was uns aber auch Angst macht, sie könnte demnächst wieder aus dem Bett fallen, müsste wieder ins Krankenhaus, könnte wieder nicht besucht werden.
Sie darf nämlich des Nächtens nicht mit einem Gitter oder einem Schaumgummikeil am Aufstehen gehindert werden, weil das Freiheitsberaubung wäre und "sie das Recht auf einen Sturz hat."
Jetzt kann ich mich noch an Zeiten erinnern, wo die Gitter an den Betten alter Leute zur Selbstverständlichkeit gehörten. Ich bin froh, dass das mittlerweile nicht mehr so ist und auch überprüft wird. Aber gibt es keine Lösung, die demente Menschen so wie Kinder vor Gefahren schützt? Muss man das Kind gleich mit dem Bad ausschütten? Ich bin mir ganz sicher, wenn unsere Mutter noch bei klarem Verstand wäre, sie würde sich einen Schutz wünschen.


Irene und Herbert Willroider, 5303 Thalgau

Aufgerufen am 20.01.2021 um 07:37 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/haben-demente-menschen-ein-recht-auf-ihren-sturz-95530348

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