Leserbrief

Hautkrebsfrüherkennung macht immer Sinn

Ich möchte in Bezug auf den Artikel "Land ändert Vorsorge bei Hautkrebs" vom 3. 10. 2019 in den SN Folgendes anmerken und richtig stellen.

Dem Land Salzburg ist die Hautkrebsfrüherkennung künftig jährlich ca. 30 Cent (!) pro Einwohner wert. Wir Salzburger Hautärztinnen und Hautärzte unterstützen die Hautkrebsfrüherkennung mit rd. 100.000 Euro pro Jahr aus eigener Tasche, durch Limitierungen der Krankenkassen. Gezielte Hautkrebsvorsorge und Hautkrebsfrüherkennung macht immer Sinn, um menschliches Leid zu verhindern bzw. zu verringern und letztlich auch Kosten einzusparen. Es sei ausdrücklich angemerkt, dass die Hautkrebsfrüherkennung/-vorsorge nur in Salzburg von der GKK (mit gewissen Limitierungen) bezahlt und in allen anderen acht Bundesländern nicht bezahlt wird. In allen anderen Bundesländern stellt die Hautkrebsvorsorge eine Privatleistung dar.

Geld für medizinische Leistungen ist nicht beliebig vermehrbar und nicht unbegrenzt vorhanden. Ein Melanom-Patient mit Metastasen "verursacht" je nach Therapie, rd. 80.000 bis 100.000 Euro pro Jahr an Kosten. Wenn wir Hautärztinnen und Hautärzte dies verhindern können, sparen wir Geld und vor allem menschliches Leid. Wir sind immer bemüht mit den vorhandenen monetären Ressourcen sinnvoll umzugehen.


Dass das Melanom 20 bis 30 Jahre zur Entstehung braucht, ist medizinischer Unsinn und alltagsfremd. In unseren Ordinationen haben wir auch Kinder mit Hautkrebs in Behandlung und Betreuung. Mein jüngster Melanom-Patient ist ein Säugling im Alter von zwölf Wochen! Wir alle haben Kinder mit Hautkrebs in den Ordinationen in unserer Obhut. Ein Jugendlicher in meiner Ordination, hatte sogar schon drei Melanome und einige Kinder hatten auch Basalzellkarzinome. Hautkrebs bei unseren kleinen Patienten ist Gott sei Dank nicht häufig, wird aber bei der Hutkrebsvorsorgeuntersuchung meist rechtzeitig erkannt und behandelt. Bei diesen Kindern sind oder waren fast immer ein oder beide Eltern an einem Melanom erkrankt.

Deshalb ist es medizinisch und menschlich auch nicht nachvollziehbar, dass diese Kinderrisikogruppe von der bezahlten Hautkrebsfrüherkennung ausgeschlossen ist. Die Eltern müssen für Kinder und Jugendliche bis zum 20. Lebensjahr, die Hautkrebsfrüherkennung selbst bezahlen und man ist dann bei drei Kindern gleich einmal rd 300 Euro los. Gesundheitsreferent Stöckl hat hier selbstverständlich den Spargedanken im Auge und wohlweislich erscheint dieser Artikel rein zufällig nach den Nationalratswahlen.

Wir machen keine Drei-Minutenmedizin in unseren Ordinationen und auch keine unsinnigen Serienuntersuchungen bei Kindern und betagten Personen. Wir sind Hautärztinnen und Hautärzte mit medizinischem Sach- und Fachverstand und betrachten unsere Patienten/-innen auch immer aus allgemeinmedizinischer Sicht und entdecken Erkrankungen, die primär nichts mit der Haut zu tun haben, wie Leukämie, Brust- und Darmkrebs, Schilddrüsenerkrankungen; Lungenerkrankungen u.v.m.

Auch betagte Salzburgerinnen und Salzburger haben das Recht, medizinisch ernst und wahr genommen zu werden. Der weiße Hautkrebs kommt eher bei älteren Personen vor und diese Risikogruppe der über 80-Jährigen hat auch ein Anrecht auf Vorsorge. Darin, wie der zitierte Kollege Eckstein, einen Unsinn zu sehen, ist ethisch verächtlich und medizinisch sinnbefreit. Ich hatte im letzten Jahr in meiner Ordination, wie wahrscheinlich alle anderen niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen auch, rund 150 tief gehende (invasive) Karzinome bei älteren Patienten zu behandeln. Das die Behandlung dieses Krebses auch bei über 80-Jährigen Sinn macht, versteht sich wohl von selbst.

Politiker kürzen lieber das Budget im Gesundheitswesen und planen im Zweifel lieber die rd. 700 Meter Verlängerung der Lokalbahn zum Mirabellplatz um 150.000.000 Euro (SN 3/2019). Einfach zum Nachdenken: 70 cm Lokalbahn kosten soviel, wie das Land jährlich für das Hautkrebsvorsorgeprogramm ausgibt.


Dr. Günther Olsacher, Dermatologe in Tamsweg

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