Leserbrief

Hightech-Tierzucht

Zu "Mit gesextem Samen gegen das Tierleid" (SN-Lokalteil vom 11. 3. 2020): Gesextes Sperma steht symbolisch für weitere Intensivierung und Technisierung in der Milchwirtschaft. Dass dort der Melkroboter, die Trennung des Kalbs von der Mutter innerhalb weniger Stunden nach der Geburt, künstliche Besamung, Enthornung, ganzjährige Laufstallhaltung und Abruffütterung mit Kraftfutter über Transponder "Normalität" sind, ist eine Seite der Medaille. Diese Technik aber der ahnungslosen Öffentlichkeit als Maßnahme gegen Tierleid zu präsentieren oder gar als "Tierwohlinitiative" zu bewerben ist als deren Kehrseite nicht mehr zu tolerieren.

Jeder Landwirt soll sich seine Zuchtstrategie selbst wählen. Die einen setzen dabei weiter auf den globalisierten Turbo-Ansatz, die anderen auf Anpassung an den Standort und bio. Öffentliches Geld darf es aber nur noch für Leistungen geben, die der Allgemeinheit zugutekommen. Die bloße Einhaltung von Gesetzen hat als Förder- oder Gütesiegelkriterium endgültig ausgedient. Hut ab vor dem Landwirt Rohrmoser, der bei der geplanten Förderung für gesextes Sperma ein ungutes Gefühl hat.

Damit der Konsument seiner immer wieder eingeforderten Verantwortung bei Einkauf nachkommen kann, braucht es nicht nur eine verpflichtende Kennzeichnung nach der Herkunft, sondern auch nach der Art der Tierhaltung, am besten nach dem Modell der Eierkennzeichnung (3,2,1,0).


Dr. Erik Schmid, Fachtierarzt für Tierhaltung und Tierschutz, 6840 Götzis

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