Leserbrief

Hochhaus-Projekt am Heumarkt bleibt nicht das einzige Projekt

Der berechtigte Wunsch, die Innenstadt von Wien samt der einmaligen Architektur entlang der Ringstraße und der Lastenstraße ("Zweier-Linie") zu schützen und deshalb internationale Verträge für das Welterbe abzuschließen, wurde auf Wunsch von Bürgermeister Häupl verwirklicht. Dass derselbe Bürgermeister Jahre später dem Investor Tojner in Gutsherrenmanier das Areal mit der Bemerkung "das Welterbe ist mir wurscht" zu seiner freien Nutzung überließ, grenzt an Kindesweglegung.
Übrigens gehört es zu den Pflichten eines österreichischen Bundespräsidenten, auf die Einhaltung internationaler Verträge zu achten, was bisher leider ausgeblieben ist.
In der Öffentlichkeit ist aber weitgehend unbekannt, dass es einen "Masterplans Glacis" gibt, der bereits am 11. November 2014 abgeschlossen und von der Stadtentwicklungskommission abgesegnet worden ist. Mit diesem Plan stellt sich nämlich heraus, dass das Hochhaus-Projekt am Heumarkt die Initialisierung ("trigger") für die Errichtung weiterer Hochhäuser im Bereich zwischen Ring und Zweierlinie sein soll, um eine mögliche und von der MA 21 gewünschte bauliche Verdichtung ("Stadtreperatur" !) zu erreichen. In diesem Plan ist ersichtlich, dass solche Hochhäuser ausgehend von der Roßauer Kaserne auch im Bereich des Jonas-Reindls vor der Votivkirche, im Bereich zwischen den Museen vor oder hinter der Statue der Kaiserin Maria Theresia, im Bereich der Parkanlagen vor der TU-Wien, der Karlskirche und vor dem Künstlerhaus sowie im Bereich des ehemaligen Kriegsministeriums errichtet werden sollen.
Wer braucht oder will solche Hochhäuser, die den freien Blick auf die berühmte Ringstraßen-Architektur nur verstellen und aus Wien eine beliebige Hochhaus-Stadt machen? Als langjähriges Vorstandsmitglied der Initiative Stadtbildschutz sehe ich es als meine Verpflichtung, die Öffentlichkeit zu informieren, um die weitere Verschandelung von Wien zu verhindern.

Wolfgang Höhnl, 1030 Wien

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