Leserbrief

Hochschaukeln negativer Emotionen

Wenn ein Minister, der sich per Eid bei seiner Angelobung verpflichtet hat, unsere Verfassung zu respektieren und zu schützen, nun aber die "Sinnhaftigkeit" eines Teils ihrer Bestimmungen in Frage stellt und weiters meint, das Recht müsse der Politik folgen, dann ist das mehr als ein bloßer Tabubruch und mehr als eine gezielte politische Provokation. Es ist ein bewusster Anschlag auf unseren
Rechtsstaat.

Wenn man in sich wiederholenden Grenzüberschreitungen die Ausübung eines
zeitgemäßen "politischen Handwerks" sieht, dann halte ich das für äußerst
gefährlich.

Achten wir nicht nur auf die höchst bedenklichen, inhaltlichen Aussagen
des IM Kickl, sondern auch auf die Art und Weise, wie er diese
artikuliert. Mit Mimik und einer für österreichische Sprechweise
unüblichen Redegeschwindigkeit will er folgendes ausdrücken: Schaut her,
wie wütend und zornig ich bin. Ihr dürft, sollt und müsst auch zornig sein.

Es geht um gezieltes Anfeuern und Hochschaukeln von negativen Emotionen.

Die im letzten Absatz Ihres Artikels geforderten, besseren sachlichen
Argumente werden in diesem "emotionalen Rausch" kein Gehör finden.

Wird die Rechtsstaatlichkeit permanent auf die Probe gestellt, werden
geschriebene und ungeschriebene Regeln immer wieder gebrochen, dann
kommt es in der Bevölkerung zu einem Gewöhnungseffekt - genau das
verfolgen die politischen "Radaumacher".


Mag. Ingrid Brada, 1190 Wien

Aufgerufen am 25.11.2020 um 09:33 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/hochschaukeln-negativer-emotionen-65052100

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