Leserbrief

Honig und Bienenprodukte beim Imker ums Eck

Stellungnahme zum Artikel "Die Mischung macht den Honig":

"Honig darf nichts hinzugefügt oder entzogen werden." Soweit die Definition von "Honig" in der österreichischen Honigverordnung. Kristallisiert ein Honig, so ist das ein Zeichen seiner Naturbelassenheit und Unverfälschtheit. Je nach Honigsorte geschieht das schneller oder langsamer. Honige, die aus Blütennektar gewonnen werden -"Blütenhonig" -, kristallisieren schneller und Honige, die die Bienen von den Honigtauspendern gewinnen - "Waldhonig" -, kristallisieren langsamer. Für uns
erscheint es geradezu paradox, ein Vermischen von Honigen als "Cuvée" zu bezeichnen, um damit den Qualitätsgaranten, die Kristallisation, zu verhindern.

Honige, die zu einer schnellen Kristallisation neigen, werden von unseren Imkern zu Cremehonig verarbeitet. Dabei geschieht nichts anderes, als dass der Honig bei Zimmertemperatur gerührt wird. Dabei bleiben alle Inhaltsstoffe unbeschadet
erhalten.

Besonders ärgerlich für uns Imker ist, dass man das Herkunftsland des Honigs nicht
eindeutig ausweisen muss. Die derzeit rechtlich einwandfreie Herkunftsbezeichnung "Honig aus EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern" könnte man auch in "Honig vom Planeten Erde" ändern und es wäre nicht zu beanstanden. Diese Art der "Herkunftskennzeichnung" zeigt aber eindeutig den legalen Versuch, den Kunden hier im Unklaren über die Herkunft eines Lebensmittels zu halten.

Honig ist weit mehr als nur "süß", darin finden sich unter anderem verschiedene Arten von Zucker, im wesentlichen Saccharose und Fructose, diverse organische Säuren, Propolis, verschiedene von den Bienen beigemischte Enzyme und ein guter Teil gesunder Blütenpollen.

Wenn man seinen Honig regional beim Imker ums Eck bezieht, entsprechen die Bestandteile des Honigs auch der Fauna der näheren Umgebung.

Da unsere Salzburger Landwirtschaft zu einem großen Teil so bewirtschaftet wird, dass Chemikalien jeglicher Art ausgespart werden können, ist heimischer Honig ein Mehrwert für die Gesundheit und Immunsystem. Kunden unserer Imker können sich sicher sein, dass dieser unbelastet und frei von Rückständen ist.

Wir vom Landesverband für Bienenzucht in Salzburg möchten klarstellen, dass niemand, wirklich niemand importierten Honig braucht! Schon gar nicht aus Gegenden der Welt, die nicht die gleichen landwirtschaftlichen Standards aufweisen, wie er durch unsere Salzburger und die österreichischen Bauern sichergestellt werden kann.

Wir sind als Salzburger Imker ein guter Teil dieser, unserer heimischen Landwirtschaft und haben uns mit der Produktion und der Gewinnung unseres Honigs sowie mit der (Er)Haltung unserer Bienen an Standards gebunden, die den österreichischen Lebensmittelbestimmungen und der heimischen Tierhaltung entsprechen.

Im Bundesland Salzburg sind wir mit rund 28.000 Bienenvölkern, die durch unsere 2600 Imkerinnen und Imker betreut werden, vertreten. Auf diesem Weg können wir Imker im Bundesland Salzburg sicher stellen, dass Nutz- und Zierpflanzen flächendeckend bestäubt werden, aber auch in jedem Ort Honig angeboten werden kann, der von den Nektar- und Honigtauspendern der Umgebung stammt.

Ein Großteil unserer Imker betreibt die Bienenzucht als Hobby bzw. als Leidenschaft. Derzeit merken wir besonders unter den jüngeren Imkern eine Spezialisierung der Imkerei auf Neben- und Vollerwerb. Das macht sich u. a. in den Absolventenzahlen der Ausbildungen zum Facharbeiter und Meister für Bienenzucht bemerkbar. Diesen Imkerinnen und Imkern muss man durch einen fairen Honigpreis auch die Möglichkeit geben sich dahingehend entwickeln zu können.

Willhelm Kastenauer, (Landesobmann der Salzburger Imker),

Aufgerufen am 23.11.2020 um 06:02 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/honig-und-bienenprodukte-beim-imker-ums-eck-94782415

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