Leserbrief

Hotelzimmerobergrenze - Viel Lärm um Nichts

Mit der Verordnung über die Herabsetzung der Obergrenze für Stadthotels von 120 auf 60 Zimmer folgt die Stadtregierung von Salzburg dem Beispiel Innsbrucks, wobei die Salzburger Landesregierung diese Verordnung im Rahmen der Raumplanung erst noch beschließen muss. Ob dann noch mit 60 Zimmern bzw. 120 Betten noch von einem "Beherbergungsgroßbetrieb" gesprochen werden kann, ist im internationalen Vergleich mehr als fraglich. Manche Hotelgruppen wie Maritim oder Motel One setzen sich meist selbst Mindestgrößen von 300 Zimmern. Die Ursache liegt an der Degression der Fixkosten (Economy of Scale), die bekanntlich bei Hotels durch die hohe Anlagenintensität speziell hoch sind. Im Übrigen können auch in Zukunft Beherbergungsgroßbetriebe wie das Arcotel Castellani oder das Grand Wyndham Salzburg errichtet werden, nur ist üblicherweise mit einer Verzögerung von rund drei Monaten für die Zusatzgenehmigung zu rechnen.
Da bei den sog. Low-Budget-Hotels (früher nannte man sie Hotel garnis) in der Regel die Zusatzeinrichtungen wie À la carte-Restaurant, Tagungsräume und Freizeiteinrichtungen wegfallen, sind die Baukosten und Personalkosten niedriger als bei Full-Service-Hotels und somit liegt der Break even (Kostendeckungspunkt) eher bei 40% Zimmerauslastung als bei 60-70% bei den Vollhotels. Gepaart mit einem attraktiven Design- und Story Telling-Konzept wie bei Motel One erklärt die Erfolgsstory derartiger Hotelmarken. Dies erklärt auch, warum Motel One beim Hotel Investment Ranking von Treugast und Horwath lange Jahre hindurch in Deutschland und Österreich ein AAA-Rating erzielt und Preferred Investor's Hotel geworden ist.
Warum die öffentliche Hand, wie der Bericht von Stefan Veigl am 26.8.2020 zeigt, sich Low-Budget-Hotels zum Feindbild erkoren hat und diesem oft innovativen Hoteltyp die Qualität abspricht, ist m.E. nicht zu verstehen. Das Gleiche gilt für Ressentiments gegenüber den sog. Kettenhotels. Vergessen wir nicht, dass diese als Stadthotels jetzt in Zeiten von Covid-19 auslastungsmäßig ebenso leiden wie Familien geführte Hotels und wieder gefragt werden, sobald Corona vorbei sein wird und sowohl der internationale Reiseverkehr als auch der Tagungs- und Kongresstourismus wieder stattfinden wird. Derzeit müssen viele Stadthotels geschlossen bleiben und sind trotz eventueller Corona-Hilfen durch den Staat nicht in der Lage ihren Verpflichtungen gegenüber den Hoteleigentümern und Banken nachzukommen.
Warum manche Stadtpolitiker wie Barbara Unterkofler in Zusammenhang mit Investoren von Spekulanten sprechen, ist m.E. überhaupt nicht zu verstehen. Wenn zB. im Wohnungsbau ein Investor wie Hillebrand, Myslik oder Soravia ein Projekt entwickelt, ist es ganz normal dass dieser als Bauträger Wohnungen verkauft oder vermietet oder ein vermietetes Objekt zur Gänze an einen Endinvestor verkauft. Sobald er es als Projektentwickler für ein Hotelprojekt tut, wird er als Spekulant gescholten. Dass ein Projektentwickler auch bei Hotels einen Developer-Gewinn erzielen möchte, ist wohl ganz legitim, zumal er zahlreiche Risiken trägt, Arbeitsplätze schafft, die Existenz vieler Zulieferbetriebe sichert und ein Recht auf einen Unternehmensgewinn hat. Es gibt sogar Projektentwicklungsgesellschaften (Developer) wie UBM, die selbst Hotels auf eigenes Risiko betreiben und nach dem Verkauf der Immobilie zB. an einen institutionellen Anleger das Objekt auf mehr als 15 Jahre zurückmieten. Bedingt durch den derzeitigen hohen Umsatzverlust in den Hotels hat UBM allerdings das Projektvolumen ab sofort halbiert und "wird in nächster Zeit keine neuen Hotel-Developments anfangen" (Siehe SN 27.8.2020 Wer braucht noch ein Büro?). Also, wieder einmal viel Lärm um nichts!


Dkfm. Dr. Konstantin Ploberger, 5440 Scheffau am Tg.

Aufgerufen am 02.12.2020 um 07:39 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/hotelzimmerobergrenze-viel-laerm-um-nichts-92340670

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