Leserbrief

Hühnerleben

"Auf das Huhn gekommen": Unter diesem Titel erfährt der SN-Lokalteil-Leser am 9. 6. 2020 nützliche Infos über Hühner. Dass es schüchterne und wagemutige gibt, neugierige und anhängliche, die dem Menschen sogar auf den Schoß flattern und gestreichelt werden wollen. Man liest, dass Hühner auf Stangen schlafen, dass sie täglich Auslauf brauchen und dafür pro Huhn etwa 10 m² zur Verfügung stehen sollen.
Die Realität für die Masse der Hühner sieht anders aus. Sie unterliegen den Prinzipien der industriellen Produktion - einer möglichst billigen Massenproduktion. Also viele Hühner haben relativ wenig Platz und sind zu schnellem Wachstum verurteilt. Dann sind die Produktionskosten niedrig und der Konsument kann sich über den Preis freuen. Man kann sich mehr Fleisch leisten, wenn es billig ist.
Gerade in Corona-Zeiten ist es angebracht, sich über unseren Umgang mit der Tierwelt Gedanken zu machen. Wie gesund sind Hühner, die abstandslos und ohne jemals die Sonne gesehen zu haben dahinvegetieren?

Noch nie ist es einer so großen Zahl von Menschen in den Industrieländern materiell so gut gegangen. Noch nie blieb ein so großer Teil des Einkommens einer Vielzahl von Menschen übrig für den Kauf von Kleidung, Autos, Einrichtung, Spielzeug und vieles mehr, was in den Kauflandschaften angeboten wird.

Sollen immer mehr Hühner ein artgerechtes und gesundes Leben führen können, ist der Konsument gefragt. Wenn ein gerechter Preis bezahlt wird, ist es für immer mehr Bauern möglich, mit der industriellen Massenproduktion aufzuhören.
Einen Anfang machen schon viele Haushalte. Backhendlbrater und Bierzelte können folgen. Besteht Nachfrage, dann wird auch auf der Angebotsseite eine Entwicklung in Gang gesetzt, die Hühnern ein gesundes und glückliches Leben ermöglicht.

Mag. Josef Kogler, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 20.01.2021 um 01:35 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/huehnerleben-89356627

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