Leserbrief

Ignorante Radfahrer II

Ich bin auch so einer. Einer der täglich, Sommer wie Winter, mit dem Rad zur Arbeit fährt. Und ich genieße es immer mehr, seit ich die Fremdsprache "Radfahrerisch" gelernt habe. Folgendes bedeutet "Entschuldigung":


* "Kennans net noch links ausweichen?" - Wenn man nach einer Vollbremsung die riesige Motorhaube eines entgegenkommenden PKWs bestaunt, weil der Fahrer gerade links abbiegen wollte
* "Kimmst net vorbei, Deppata?" - Wenn man wartet, bis der Lieferant den Geh- und Radweg vor einem Geschäft räumt
* "Konnst net Klingeln?" - Wenn man einem mit einem E-Bike bewaffneten passionierten Landschaftsbewunderer bei der dritten rechts-links Kombination beim Überholen beinahe streift.
* "Koa Ongst, ea tuat eh nix" - Wenn man nach einer Vollbremsung mit 30 Zentimeter Abstand einem Hund gegenübersteht, der gerade die Leine des telefonierenden Besitzers quer über den Radweg strapaziert hat.
* Dialog einer walkenden Pensionistengruppe, an die ich mich von hinten klingelnd anpirsche: "Achtung Radlfoara!" - "Der soi klingln" - "Hot a eh" - "Ah so... wissns, mia san jo a Radlfoara!"
Ich wünsche mir zum Christkind wieder neue Bremsklötze für mein Fahrrad, damit ich auch 2019 unbeschadet diese Fremdsprache weiter studieren kann, weil ich auch so einer bin.


Herwig Santner, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 30.11.2020 um 12:39 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/ignorante-radfahrer-ii-62870350

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