Leserbrief

Irrtümer und Halbwahrheiten

Zum Beitrag "Jesus, Mohammed und Buddha" von Josef Bruckmoser in den SN vom 5. 1. 2019:

Mit Verwunderung habe ich in den SN vom 5. 1. 19 gelesen, wie sich Herr Bruckmoser anmaßt, klüger als alle Kirchenlehrer zu sein und ohne Beleg feststellt, dass Jesus in Nazareth geboren wurde. Er ignoriert eine 2000 Jahre alte Tradition und stellt die Evangelisten als Legendenschreiber und Lügner hin. Ich frage: Wohin sind die Heiligen Drei Könige geführt worden, nach Bethlehem oder nach Nazareth?

Wäre eine junge Mutter aus unserer Familie hochschwanger 120 Kilometer auf einem Esel im Winter geritten und hätte die Ablehnung am Ziel und die Geburt in einer kalten Höhle oder in einem schmutzigen Stall erdulden müssen, dann hätte die ganze Verwandtschaft nach 100 Jahren noch die ungewöhnlichen Umstände der Geburt nacherzählen können. Zwischen der Geburt Jesu und der Niederschrift des Evangeliums liegen aber nur 60 - 70 Jahre.

Im Protoevangelium des Jakobus, im Arabischen Kindheitsevangelium und im Dialog Justin wird ebenso wie in den Evangelien geschrieben, dass Jesus in Bethlehem geboren wurde. In der Vollständigen Synopse wird keine außerbiblische Parallele erwähnt, in der Nazareth als Geburtsort aufscheint.

Der Kindermord von Bethlehem durch Herodes ist völlig unlogisch, wenn Jesus in Nazareth geboren worden wäre. Seherinnen beschreiben ausführlich über mehrere Buchseiten den Weg der Heiligen Familie nach Bethlehem.

Es ist unerklärlich, wie Herr Bruckmoser auf die absurde Idee mit Nazareth kommt.
Herr Bruckmoser schreibt, Jesus hätte sich nicht als Messias oder gar als Sohn Gottes verstanden. Ich erinnere nur an einige Bibelstellen:
"Du bist mein geliebter Sohn." (Lk 3, 22)
"Ehe Abraham war, bin ich." (Joh 8,58)
"Ich und der Vater sind eins." (Joh 10,30)
"Mein Herr und mein Gott!" bekennt Thomas. (Joh 20,28)
"Du bist der Sohn des lebendigen Gottes" bekennt Petrus. (Mt 16,17)
Mit der Behauptung, Jesus hätte Geschwister gehabt, begibt sich Herr Bruckmoser auf das Niveau der Zeugen Jehovas. Das griechische Wort "adelphos" bedeutet Bruder, Halbbruder, Verwandter, Glaubensbruder, Landsmann, Mitmensch.

Die Keuschheit des Josefs beweist der Engel, der zweimal gesagt hat: "Nimm das Kind und seine Mutter!" Er hat nicht gesagt: "Nimm das Kind und deine Frau!"

Welche Lehren und Erkenntnisse sollen wir von jemandem erwarten, der unverfroren Irrtümer und Halbwahrheiten vertritt?


Dr. Hermann Kittl, 5671 Bruck

Aufgerufen am 23.08.2019 um 08:01 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/irrtuemer-und-halbwahrheiten-64244725

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