Leserbrief

Ist die Kirche noch zu retten?

Zwei Skandale erschüttern derzeit die römisch-katholische Kirche, der eine lokal (Kärnten), der andere weltweit (Kindesmissbrauch). In beiden werden zwar Schritte gesetzt, aber die optimistische Berichterstattung Ihrer Zeitung kann ich nicht teilen. Die Skepsis der Betroffenen (in Kärnten das Klagenfurter Domkapitel, global Opfer des Missbrauchs und ihre Vertreter und Angehörigen) bestätigt mich darin. Das Grundübel liegt in der hierarchischen Konstruktion der Kirche und ihrer Überhöhung des Priesteramtes, sowie dem unnatürlichen Verhältnis zur Sexualität und der Ungleichbehandlung der Geschlechter, und daran wird nicht gerüttelt. Ich habe bereits vor elf Jahren meine Konsequenzen gezogen und diesen Verein verlassen, mit dem ich mich nicht mehr identifizieren konnte.
Als Student der Theologie habe ich noch gelernt: Ecclesia semper reformanda. Das wurde leider versäumt. Heute kann ich nur resumieren: Haec ecclesia numquam reformabilis. Diese Kirche kann niemals mehr reformiert werden. Sie wird zu einer kleinen, geschlossenen Gemeinschaft reduziert werden, und daran ist sie selber schuld. Über leere Kirchen, Priestermangel und fehlende Mittel braucht sie sich nicht beklagen.


Berthold Himmelbauer, 4400 Steyr

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