Leserbrief

Ist nicht in jeder Diözese etwas von Gurk-Klagenfurt

Im Moment ist die katholische Kirche ein nicht allzu gutes Vorbild für unsere Gesellschaft, obwohl die Themen der Bibel teilweise aktueller denn je sind. Die Kirche steht einer herausfordernden Zeit gegenüber, da sie endlich im Hier und Jetzt ankommen sollte und in die Zukunft getragen werden muss. Dazu wird auch sie sich den heutigen Anforderungen anpassen müssen, so wie es auch jedes andere wirtschaftlich denkende Unternehmen tut, um langfristig bestehen zu können. Nur weil das derzeitige Handeln der Kirche die letzten Jahrhunderte funktionierte, ist das kein Garantieschein mehr für den Fortbestand. Schon Jean Jaurès hat es erkannt: "Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers."

Das Mysterium "katholische Kirche" hat sehr wohl seine Daseinsberechtigung, und es ist nun einmal nicht alles so begreifbar und nachvollziehbar wie es in anderen Branchen ist, aber es sollte kein Handeln mehr wie bei Geheimbünden vor 300 Jahren geben. Die Zeit fordert Transparenz und für die Öffentlichkeit nachvollziehbare Entscheidungen. Ansonsten kommen schnell Gerüchte von Postenschachereien, Schattenbischöfen/-innen usw. auf oder sind es zum Schluss gar keine Gerüchte? Die klerikalen Machtstrukturen gehören aufgebrochen und Fragen, auch wenn diese manchmal unbequem sind, dürfen nicht unbeantwortet bleiben oder mit nichts sagenden Floskeln abgewunken werden. Dabei muss es jedoch egal sein, wer diese Fragen stellt. Jedes Mitglied der katholischen Kirche muss gleich viel wert sein. Sehr oft brodelt es - für Außenstehende nicht oder kaum wahrnehmbar - im Stillen, und in seltenen Fällen geraten Unstimmigkeiten, wie zuletzt in der Diözese Gurk, an die Öffentlichkeit. Man muss schon ziemlich blauäugig sein, wenn man glaubt, dass Gurk eine Ausnahme ist und in allen anderen Diözesen alles in Ordnung sei. Jetzt geht ein lauter Aufschrei durch die Medien. Es wird Transparenz und vollständige Aufklärung gefordert. Wie oft wurde schon das schützende Deckmäntelchen Kirche darüber gelegt und die betroffenen Personen "verschwinden" hinter Klostermauern oder werden versetzt?

Ja, es ist mehr als begrüßenswert, dass die Kirche die Vorgänge aufdecken möchte. Aber wie soll eine unbefangene, neutrale und vollständige Prüfung stattfinden, wenn dies, als apostolischer Visitator, der Metropolit der Kirchenprovinz Salzburg (dazu gehört auch die Diözese Gurk) tut. Es gibt einen mehr als fahlen Beigeschmack. In welchem anderen Unternehmen prüft der eigene "Chef" solch schwerwiegende Vorwürfe? Es wird zwar lückenlose Aufklärung gefordert, aber wie soll das gehen?


Mag. Johanna Schönbauer, 5101 Lengfelden/Bergheim

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