Leserbrief

Jahreskarte für den "Supergau"

Entweder es geht an das ganz große Steuergeldverbrennen ("Brenna tuats guat" - Hubert von Goisern) oder es brechen für der ÖPNV ganz dunkle Zeiten an. Wobei in Oberösterreich 2001 und in Kärnten kurz danach die Notbremse gezogen wurde, startet der Irrsinn in Salzburg im rauschartigen Taumel jetzt Vollgas durch. Wie die Lemminge rennen jetzt alle mit der Jahreskartenverbilligung in den Abgrund der Tarif-Finanzierungsfalle "Ausweitung der Kernzone". Jeder "Gau", wie die Bezirke in Salzburg genannt werden, soll in Zukunft eine eigene Tarifzone werden. Der Wahnsinn soll also zum System gemacht werden, weil da Leute agieren, die offensichtlich nicht wissen, was sie da tun. Die Politik wäre gut beraten, den Verkehrsverbund-Rechnungshofbericht in Oberösterreich aus 2001 oder den aktuellen in Tirol zu lesen und dann müssten eigentlich einige Schuppen von den Augen fallen.
Man könnte die "Gaue" gleich zusammenschließen, und man erhält damit einen "Supergau"! Diesen "Supergau" wird man ohnehin in der Gesamtfinanzierung des öffentlichen Verkehrs in Salzburg erleben. Der Crash wird sich sehen lassen können. Damit ist der nächste Salzburger Finanz-Skandal bereits wieder auf dem Weg.
Man muss wissen, dass die Fahrgelderlöse ohnehin nur bei 10 Prozent der Kosten des ÖPNV ausmachen und das mit dem unattraktiven Angebot. 35 Prozent kommen aus der Schüler- und Lehrlingsfreifahrt und der Rest ist heute Zuschuss. Mit dem "Steuergeldverbrennen" werden die Fahrgelderlöse auf bis zu 2 Prozent zusammenbrechen und die Verschlechterung des bestehenden ÖPNV ist die logische Folge.
Als 1995 Mag. Georg Fuchshuber und ich das Tarifzonenmodell des Salzburger Verkehrsverbundes entwickelt haben, wurde von uns peinlich genau versucht, das Verhältnis zwischen Fahrkartenerlösen und Kosten des ÖPNV so ausgeglichen wie möglich zu gestalten. So entstand das Wabenzonenmodell mit sechs Kilometern Durchmesser. Warum das so ist, hat einen Finanzierungsgrund und die Erklärung würde diesen Rahmen hier sprengen. Offensichtlich haben das unsere Nachfolger in der SVG nicht verstanden und sich so in das "Supergau-Modell" verrannt.
Im Oberösterreichischen Verkehrsverbund wurde für Linz der Zuschussbedarf der Jahreskarte Linz (Mega) von € 285 Euro aus der "Verwanderung" der Wochen- und Monatskarte zur Mega errechnet. Umsteiger vom Auto auf den ÖPNV sind nicht erkennbar. Auch diese Erklärung würde diesen Rahmen sprengen. Die Stadt Linz zahlt dafür seit damals ca. 10 Millionen Euro Zuschuss im Jahr. Das "Supergau-Modell" wird Stadt und Land Salzburg irgendwo zwischen 20 und 50 Millionen pro Jahr kosten und zwar für alle Zeiten.
Anstelle der Geldverbrennung könnte man die gleichen Beträge über zehn Jahre für den Bau des Regionalstadtbahn--Tunnels investieren und hätte etwas Bleibendes für die Zukunft. Vom Geldverbrennen bleibt bestenfalls Asche, die einmal ÖPNV geheißen haben wird. Ich wünsche der Politik baldige Erleuchtung bevor der Wagen ÖPNV an die Wand fährt und Frohe Weihnachten.


Richard Fuchs, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 24.11.2020 um 08:18 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/jahreskarte-fuer-den-supergau-62713318

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