Leserbrief

"Jedermann", das Erfolgsstück

So, wie der "Jedermann" im heurigen Jubiläumsjahr 2020 inszeniert worden ist, ist er absolut nicht mehr zeitgemäß. Das frömmelnde Zauberstück ist ohnehin für eine realitätsnahe Gesellschaft sehr befremdend. Man braucht schon sehr gute Nerven, diesen Kitsch zu ertragen. Indes, der Grundgedanke, an den Tod als Gleichmacher für arm und reich zu erinnern, ist zeitlos.
Zeitgemäß ist die Raffgier eines rücksichtslosen Egomanen, dem selbst Milliardengewinne nicht reichen und der die Welt mit Kriegen überzieht, weil im Waffengeschäft die größten Gewinne liegen.

Das kam in dieser Inszenierung eindeutig zu kurz. Tobias Moretti wäre zur Darstellung dieses Menschen wohl eine Idealbesetzung, wie man aus diversen Filmen weiß. Was Regisseur Michael Sturminger daraus gemacht hat, ist jedoch ein braves, kleinmütiges Bürgerlein von der Straße, das banal wimmernd um sein Seelenheil bangt.

Mag. Franz Pöschl, 5163 Mattsee

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