Leserbrief

Jetzt geht es ans Eingemachte!

"Welcher Politiker wird nach der Krise den Mut haben, die Reichsten und Gierigsten dieser Welt an den billionenschweren Aufräumungsarbeiten zu beteiligen, die auf uns zukommen?" mit dieser Frage bringt es Hans Finder in seinem Leserbrief auf den Punkt (SN, 11.4.). Denn die Reichsten und Gierigsten dieser Welt gehen gerne in Deckung, wenn es darum geht, Belastungen gerecht zu verteilen. Dabei wären gerade jetzt breite Schultern gefragt. Diese sind aber längst wieder in geschickte Transaktions- und Förderungsgeflechte abgetaucht und werden einen Teufel tun, wenn es darum geht, gemeinsam die Welt zu retten.
Das Hoffen auf kritische Journalisten und investigative Blicke in die Hinterzimmer der Verteilungs-Debatte ist enden wollend. Zumal einem die Besitzverhältnisse der Medien die Tränen in die Augen treiben: Die Krake der Gier hat sich auch in der medialen Welt längst breit gemacht und bestimmt das Meinungsklima auf unverschämt durchschaubare Art und Weise.
Auf wen kann man dann überhaupt noch hoffen? Möglicherweise auf eine Schwarmintelligenz der Menschen, die den Mächtigen dieser Welt gerade jetzt ganz genau auf die Finger schaut und sich ein "weiter so" nun einfach nicht mehr gefallen lässt. Es ist absolut empörend, wie der Finanz-Kapitalismus in seiner ekelerregenden Gier die Welt in den Abgrund treibt. Und es ist schon so etwas wie pure und fast naive Verzweiflung, wenn man nun darauf hoffen muss, dass sich "die Menschheit" gegen diese höchst unmoralischen Konstellationen zu erheben beginnt.
Viele wollen eine andere Welt. Diese andere Welt ist auch möglich. Nämlich dann, wenn u.a. endlich "Steuergerechtigkeit" hergestellt wird. Wir brauchen keine Milliardäre, die in feudaler Gutsherrenart ein paar Brosamen verteilen. Jetzt geht es ans Eingemachte! Überheblichkeit und Ignoranz helfen uns jetzt nicht mehr weiter. Die aktuelle Situation erfordert Mut, Courage, kritische Journalisten (traut euch bitte und traut euch endlich auch mehr zu!) mündige Bürger/-innen und möglicherweise sogar einen Papst, der schneller kapiert hat, dass es ein Grundeinkommen braucht, als christlich-konservative Machthaber, die in ihrer Scheinheiligkeit und in ihrer Klientel-Politik kaum mehr zu überbieten sind.

Dr. Klaus Moser, 5201 Seekirchen

Aufgerufen am 30.11.2020 um 03:11 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/jetzt-geht-es-ans-eingemachte-86227081

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