Leserbrief

Junge Mütter als Verlierer der Krise

Dass Corona eine große Bedrohung ist zweifeln heute nur noch sehr wenige Menschen an. Die Maßnahmen scheinen in vielen Bereichen auch sehr sinnvoll und verständlich. Teils wären sie, sofern alle mitmachen würden, auch leicht umzusetzen. Aber es gibt einige Bereiche, die ich nicht nachvollziehen kann.
Ich denke, dass mir hier viele Jungmamas beipflichten werden, wenn ich sage, dass auch wir die großen Verlierer dieser Krise sind. Seit März werden ständig für uns so wichtige Kurse wie Hebammengespräche, Geburtsvorbereitung oder Rückbildung etc. teils sehr kurzfristig abgesagt. Während immer nur von den Intensivbetten die Rede ist und die Folgen für uns, so macht sich niemand Gedanken darüber, was Schwangere und Wöchnerinnen dieser Tage durchstehen müssen!
Psychisch ist es eine enorme Belastung wochenlang nicht zu wissen, ob der Partner bei der Geburt unterstützen darf. Noch belastender, wenn er nicht dabei sein kann. Körperlich kann und wird es für viele Frauen Folgen haben, dass sie keine Rückbildungstherapie machen können. Die Folgen treten manchmal erst Jahre oder sogar Jahrzehnte später in Erscheinung!
Der Schutz der Mutter scheint in diesen Tagen nicht wichtig zu sein. Aber auch unsere kleinsten Mitbürger/-innen sind der Politik völlig egal. Es werden wieder, trotz penibler Einhaltung aller Auflagen und Hygienekonzepte, alle Kurse abgesagt. Sie würden aber helfen Haltungsschäden vorzubeugen. Sie würden helfen die Erstlingsmütter zu entlasten und Sicherheit zu geben.
Warum darf ein Zoo nicht öffnen, ein Möbelhaus aber eine riesige Eröffnung abhalten? Warum dürfen sich zehn Mütter trotz riesigem Abstand nicht austauschen, Profifußballer aber weiter zusammen trainieren? Warum müssen Wirte wieder schließen, es wird aber in Kauf genommen, dass sich die Menschen zu Hause zusammenrotten?
Ich bin enttäuscht, wütend und verzweifelt! Es fühlt sich an, als ob diejenigen, die sich an alles halten und die Maßnahmen mittragen, diejenigen, die sich am wenigsten wehren können, und diejenigen, die die Zukunft des Landes sind, die Verlierer der Krise sind.

Dr. Brigitte Jahn, 5301 Eugendorf

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