Leserbrief

Kann man Chinesen mit Italienern vergleichen?

Beim PISA-Ranking tut man das. Aber kann man zum Beispiel das Lesen, wo Schrift und Sprache sich so stark voneinander unterscheiden, vergleichen. Hat nicht jede Kultur, jedes Volk Begabungen und Besonderheiten, die es gerade auszeichnet, die aber nicht vergleichbar sind. Angeblich will man nur Leistung vergleichen, also den kleinsten gemeinsamen Nenner, und so werden bei den Kindern Fertigkeiten abgefragt. Hat aber Chinesisch nicht einen ganz andere Wirkung als Italienisch? Und kann man Fertigkeiten vergleichen, wenn man nicht weiß, wie diese im gesamten sozialen Leben eingebettet sind. Ist das Lernen nicht anders, wenn Diktatur oder Freiheit oder auch Armut in diesem Land herrscht und damit nicht vergleichbar? Muss immer der Beste gesucht werden? Warum setzt man statt des Rankings der Klugheit der Kinder nicht die Weisheit der Menschen ein. Wo finden sich die weisesten Menschen? Man würde dabei sehen, wie unsinnig so ein Wettbewerb ist.

Diese Gleichmacherei und Ranking eines kleinsten gemeinsamen Nenners lebt aber auch in unserem Schulsystem, denn die Zentralmatura zeigt die gleichen Phänomene. Es wird bestimmt, was gleich zu sein hat, aber die einzelnen Begabungen und Fähigkeiten, sowie soziale Umgebung wird nicht beachtet. Den Kinder bleibt keine Zeit mehr, ihre Begabungen auszubilden, weil die geforderte Latte erreicht werden muss. Wie viele Dichter und Künstler gehen dabei verloren, werden krank oder müssen als Schulabbrecher mühsam ihren Weg suchen?

Die heutige Jugend jedoch hätte als Einzelindividuen der scheinbar fertigen Welt viel zu sagen! Warum will man darauf nicht achten? Wann kommt das Ranking nach der menschlichsten Schule?


Dr. Herbert Hopferwieser, 5300 Salzburg

Aufgerufen am 25.01.2021 um 12:19 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/kann-man-chinesen-mit-italienern-vergleichen-80523916

Kommentare

Schlagzeilen