Leserbrief

Kanzler Kurz und die Kultur

Da ist Sebastian Kurz in Zusammenhang mit dem Corona-Lockdown eine ebenso kreative wie entlarvende Wortschöpfung gelungen. Im Ö1-Morgenjournal formulierte er wörtlich: "Kulturverliebte kritisieren die Schließung der Kulturstätten", so wie eben sportliche Menschen mit der Schließung von Sportstätten hadern.
Nun, Verliebtheit ist ein wunderbarer Zustand von meist begrenzter Dauer, ein hormoneller Ausnahmezustand, von Außenstehenden oft milde belächelt. Meint der Kanzler etwa, dass diese Kulturverliebtheit sich mit der Zeit abschwächt, wieder verfliegt, auf dass sich diese Kulturmenschen auch wieder den wirklich wichtigen
Dingen zuwenden? Der Gastronomie, dem Wintertourismus, der "Wirtschaft".

Es ist mir nicht bekannt, dass es in der gesamten Coronazeit auch nur einen Kulturcluster gegeben hätte, im Gegensatz etwa zu Religionsclustern. Dennoch dürfen Kirchen und Moscheen offen bleiben. "Der Bereich der Religion ist ein besonders heikler" fiel dem Kanzler dazu ein. Werden etwa Ideologie und Lobbyismus und nicht die tatsächliche Gefährdungslage zur Richtschnur für Verbote und Verordnungen?

Wie auch immer, Sebastian Kurz und vermutlich die meisten Mitglieder seiner Regierung zählen sich offensichtlich nicht zu den "Kulturverliebten", für die eben Kultur durchaus ein Lebensmittel sein kann. Hoffen wir alle zusammen, dass die verordneten Maßnahmen, auch im Interesse von Gastronomie, Wintertourismus und der Wirtschaft insgesamt erfolgreich sein werden. Und tun wir alles dafür!


Erhard Sandner, 5081 Anif

Aufgerufen am 28.11.2020 um 07:21 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/kanzler-kurz-und-die-kultur-95257954

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