Leserbrief

Kein durchdachtes Gesamtkonzept für den Volksgarten

Dem Leserbrief von Herrn Kozian zur Misere im Volksgartens kann ich nur voll und ganz zustimmen. Aus einem kleinem, magisch anmutenden Märchenwald mit Knusperhäuschen (Sauna) namens Volksgarten ist eine zerfledderte, massiv abgeholzte Erdfläche geworden, die mit Sand bestreut wird, um wenige Wochen (!) im Jahr einem Winterzirkus Platz zu machen. Überall spricht man vom Klimawandel, in Salzburg killt man vorauseilend reihenweise uralte Bäume und erzeugt ein Flickwerk, noch bevor irgendein Projekt steht und sichtlich ohne ein Konzept zu haben. Man betreibt Aktionismus, setzt auf Bürgerbeteiligung und erwartet sich aus der unausgegorenen Ideenmenge "die" Lösung, statt sich zuerst bei denen zu informieren, die bereits großartige Ideen und Gesamtkonzepte zur gesamten Salzachufer-Nutzung hatten, inklusive Volksgarten und Bademöglichkeiten an wirklich geeigneten Stellen (z.B. Entwürfe Horst Lechner und Lukas Ployer, Ausstellung 2018 Initiative Architektur im Künstlerhaus). Hat das denn kein Verantwortlicher überhaupt angeschaut? Zuerst ein durchdachtes Gesamtkonzept präsentieren und dann nachfragen und justieren macht Sinn. Das könnte man schrittweise umsetzen und es wäre stimmig.
Inzwischen werden alle Arten von fragwürdigen Events genehmigt oder vielleicht sogar forciert, wie z.B. sogenannte "Internationale Food-Trucks", die mit altem Speiseöl die Gegend verstinken (um u. A. "Original Amerikanisches" Fastfood zu erzeugen, von - ich habe nachgefragt - polnischen Arbeitskräften in Lastern mit slowakischen Kennzeichen). Im Sommer zieht es Obdachlose in die aufgestellten Strandkörbe, auch die Berufsbettler haben die Fläche entdeckt und hinterlassen nach ihren Übernachtungen ganzjährig ansehnliche Mengen an abgelegter Kleidung und Haushaltsmüll in und um die paar Papierkörbe an der Hundertwasser-Allee. So verkommt der Volksgarten immer mehr.
Wenn nun der Saunaabriss erfolgen sollte, hat einfach nur der Winterzirkus ein paar Parkplätze mehr. Der darf sich jährlich ausbreiten, Bäume und Rasen kosten, Flächen bis zum Gehweg einzäunen, später mit Sand nachgefüllte Riesentraktor-Spuren hinterlassen und einen Winterspaziergang zum Hürdenlauf ohne Aussicht (außer auf Zirkuszelte) machen. Bei diesem Größenumfang wäre ein Umsiedeln auf eine geeignete grüne Wiese wohl schon seit Langem sehr viel sinnvoller. Die Politik denkt neun Jahre nach (Saunahäuschen), die Privatwirtschaft expandiert inzwischen... So opfert man einem Saisonzirkus und dem politischen Aktionismus einen ganzen Park und ruiniert ein ganzes Stadtviertel.
Jetzt, nach der Wahl, wäre die Gelegenheit um endlich Nägel mit Köpfen zu machen.


Barbara Leitner, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 15.10.2019 um 10:12 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/kein-durchdachtes-gesamtkonzept-fuer-den-volksgarten-67485697

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