Leserbrief

Kinder, die nicht zur Schule gehen

Österreichs Pflichtschulen entlassen jährlich rund 10.000 Fünfzehnjährige, die das Lesen, Schreiben und Rechnen nicht im berufs- und lebensnötigen Umfang beherrschen. Dies sind bis zu 40 Prozent (!) eines Jahrganges.

Lernen ist das "Arbeiten" junger Menschen. Wer nicht in jungen Jahren das Arbeiten anhand des Lernens gelernt hat, verfügt in der Regel über keine positive Arbeitshaltung. Universitäten klagen über mangelnde Kenntnisse von Maturanten in den Grundrechnungsarten. All dies sind Fakten. Aufgrund dieser Fehlleistungen der Schule - aus welchen Gründen auch immer diese entstehen - ist Österreichs Schule verfassungswidrig, denn Sie gefährdet das Wohl von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen.

Da diese Fakten seit Jahren bekannt sind, könnte man Eltern, die ihre Kinder sehenden Auges der teilversagenden Schule, die nachweislich Lebensentwürfe zerstört, anvertrauen, der Verletzung des Kindeswohls bezichtigen.

Bereits in den 1980ern haben Untersuchungen ergeben, dass es mit den Kenntnissen im Lesen, Schreiben und Rechnen bergab geht. Das Teilversagen der Schule primär den Fluchtbewegungen anzulasten, ist daher schlichtweg falsch.

Es braucht zeitgemäß ausgebildete Lehrpersonen, die virtuos mit Unterschiedlichkeit umgehen können, und eine völlig neue weil Nutzen stiftende föderale Schulverwaltung abseits des derzeitigen Chaos - überforderte Bildungsdirektoren, unklare Verantwortlichkeiten, Multihierarchien, massive Überfrachtung des Schulbetriebs mit schulfremden und teils nutzlosen Aufgaben.

Erst dann werden Lehrer und Schüler wieder frei atmen, unterrichten und lernen können. Und das Kindeswohl und die Verfassungskonformität der Schule werden wieder gesichert sein. Wer startet endlich den langen, aber alternativlosen Marsch in diese richtige Richtung?


Prof. Ernst Smole, 1080 Wien

Aufgerufen am 01.10.2020 um 07:02 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/kinder-die-nicht-zur-schule-gehen-65053459

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