Leserbrief

Kinder sind unser kostbarstes Gut

Herzlichen Dank Herr Prlic, dass sie es in ihrem "Standpunkt" (in den SN vpm 25. 1. 19) auf den Punkt gebracht haben: Investitionen in die Elementarbildung rechnen sich!
Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass dies endlich auch von unseren Politikern erkannt wird. Es genügt nicht, Betreuungsplätze zu schaffen für immer mehr und noch jüngere Kinder. Es braucht auch den ehrlichen Blick auf die Qualität der angebotenen Betreuung.
Ich bin selbst Mutter von drei Kindern und arbeite als ausgebildete Kinder- und Sonderkindergartenpädagogin in einer Tagesbetreuungseinrichtung mit teils unter zweijährigen Kindern. Ich bin mir der Verantwortung bewusst, die ich übernehme in dem Moment, wenn mir die Mutter (oder der Vater) ihr Kinder übergibt. Jedes Kind mit seiner Persönlichkeit, seinen Gewohnheiten von Zuhause, seiner momentanen Entwicklung und vielleicht erstmals mir der deutschen Sprache konfrontiert, soll sich wohl und sicher fühlen und die besten Voraussetzungen für seine weitere Entwicklung vorfinden.
Denn nur wenn sich ein Kind gesehen und selbstwirksam erleben kann, entwickelt es ein gesundes Selbstgefühl und trägt den Erfahrungsschatz in sich auf dem jedes schulische Lernen aufbaut.
Um dies leisten zu können, wurde zum Beispiel auch vom Land Salzburg die Bildungs- und Arbeitsdokumentation (BADOK) erarbeitet und uns bei einer 16 Std. Fortbildungsveranstaltung gelehrt. In der Portfolioarbeit wird hier unter anderem die Entwicklung jedes Kindes mittels Fotos und Beschreibung auch für die Kinder und Eltern sichtbar gemacht. Eine toller Ansatz, der auch ein sehr genaues Beobachten der Kinder verlangt. Ich bin zurzeit als Assistentin angestellt mit nur einer Vorbereitungsstunde, da ist es schlichtweg unmöglich, diese Arbeit zu leisten. (Aber auch in Kindergärten mit nur einer Kindergärtnerin pro 22 Kinder ist dies nicht umsetzbar.)
Auch haben wir in der Tagesbetreuung noch keine Möglichkeit bei der Aufnahme eines Kindes mit besonderen Bedürfnissen eine Sonderkindergärtnerin hinzuzuziehen. Eine fatale Situation, denn auch Eltern mit Kindern mit einem erhöhten Förderbedarf, wollen ihre Kinder gut versorgt wissen. Ich sehe dies auch aus dem Blickwinkel meiner langjährigen Arbeit in der Frühförderung. Auch bei Kindern mit auffälligem Verhalten hätte man in diesem Alter noch gute Möglichkeiten "die Weichen neu zu stellen" und langfristige Problematiken zu entschärfen.
Schön zu lesen, dass ein neues, längst überfälliges Kinderbetreuungsgesetz auf den Weg gebracht wird. Es ist empörend, dass es am mangelnden Geld liegt, dass höchst notwendige Veränderungen wieder nicht umgesetzt werden können.
Ja, gute Elementarbildung kostet.
Die Gemeinden dürfen nicht alleine gelassen werden, denn so wie die Schulbildung und Universitätsbildung muss es ein österreichisches Anliegen sein, gute Bildung allen unseren Kindern von Anfang an zu ermöglichen.
Ich fordere die Politik auf, das österreichische Bildungssystem genau zu durchforsten und zu schauen, wo Gelder nicht gut eingesetzt sind. Wäre in diesem Zusammenhang vielleicht auch die neue Mittelschule zu überdenken? Oder eine Neustrukturierung der Schulbehörde ebenfalls längst überfällig?
Ich liebe meine Arbeit mit den jungen Kindern, kann aber Kolleginnen (oft junge, bestens ausgebildet) verstehen, die diesen Beruf nicht mehr ausüben wollen, da sie ihre Vorstellungen von Kinderbetreuung unter den derzeitigen Bedingungen nicht mehr umsetzbar sehen.
Ich habe die Hoffnung auf Veränderung noch nicht aufgegeben, denn Kinder sind unser kostbarstes Gut und jeder investierte Euro in die Elementarbildung ist eine Investition für die Zukunft.

Elisabeth Stummer, Kindergarten und Sonderkindergartenpädagogin, 5082 Grödig

Aufgerufen am 02.12.2020 um 05:16 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/kinder-sind-unser-kostbarstes-gut-64869610

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