Leserbrief

Kinderbetreuung früher und heute

Ich möchte mich zu diesem Thema zu Wort melden. Meine Zeit als junge Mutter liegt lange hinter mir. Dennoch erinnere ich mich sehr gut an jene Zeit, als ich voll berufstätig war und mehr als angewiesen auf die Kinderbetreuung im Kindergarten. Und an jene schrecken Tage, wenn ein Tag im Kindergarten ungeplant ausgefallen ist und damit anderweitig Betreuung organisiert werden müsste. Die Wochen, in denen es keine Betreuung gab (Urlaubszeit usw.) waren lang, und da musste wieder organisiert, gebettelt und gebeten werden. Wenn keine Großeltern da waren oder Freunde wurde es richtig schwierig zu organisieren. In meinem Ort hieß es damals (und das ist keine 100 Jahre her), wir brauchen keine langen Betreuungszeiten, es besteht kein Bedarf, es gibt ja Großeltern oder eben zu Hause bleiben. So war das damals und ganz normal. Heute wird nahezu rund um die Uhr betreut... was für ein Segen und Beruhigung für junge Familien.


Eltern müssen/wollen ihre Kinder in die Betreuung geben, weil es bei horrenden Wohnungsmieten oder bei einem Eigentumsankauf, bei den Lebenserhaltungskosten usw. kaum möglich ist, sich mit einem Gehalt zu finanzieren. Also werden die Kleinen, oft die Kleinsten, in die Kindergärten gebracht, auch teilweise kränkelnd, weil's nicht anders möglich ist.


Allergieverordnungen, Aufsichtspflichten, Sprachprobleme, kulturelle Probleme, mit zu vielen Kindern und zu wenig Personal - all das managen die Kindergartenpädagogen/-innen tagtäglich. Dazu kommen ethische-kulturelle Herausforderungen. Und als Lohn für all diese konstruktive professionelle Arbeit geht man her und bestraft eine Berufsgruppe.


Dann fragt man sich als Bürgerin halt schon, wo die Verantwortlichen der Berufsgruppe sitzen, wie die die Anliegen ihrer Berufsgruppe vertreten und solchen Gesetzen zustimmen? Dass dann jungen, engagierten Pädagog/-innen die Wertschätzung entzogen wird und als Resultat immer weniger in den Beruf gehen, ist wohl nachvollziehbar. Zur Wertschätzung gehört aber auch Bezahlung und Freizeit, die dazu die notwendig sind, um gute Psychohygiene und neue Motivation für den Tag zu bekommen. Ich persönlich zweifle keine Sekunde daran, dass die Verantwortlichen für diese Berufsgruppe ihre Ruhezeiten sowie ausreichende Bezahlung ohne Probleme bekommen. Im Notfall gibt's sicher einen sowieso gut bezahlten Job in der EU.


Brigitte Sterner-Höllbacher, 5421 Adnet

Aufgerufen am 15.10.2021 um 11:30 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/kinderbetreuung-frueher-und-heute-63418930

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