Leserbrief

Kinderbetreuung in der Familie wird kaum unterstützt

In seinem Facebook-Kommentar (SN, 10.3.) bedauert Herr Daniel Buschta, dass es für Kindererziehungszeiten keine Pensionsbeitragszahlungen gibt. Richtig ist, dass es die bereits seit 1.1.2005 gibt. Seither bezahlt der Bund für alle KinderbetreuungsgeldbezieherInnen für die ersten 4 Lebensjahre des Kindes Pensionsversicherungsbeiträge. Im Jahr 2019 betrug die monatliche Bemessungsgrundlage dafür Euro 1.829,81. Das entspricht dem österreichischen Durchschnittseinkommen.
Alle dadurch erworbenen Pensionsversicherungszeiten wirken damit pensionserhöhend und bis zu 8 Jahren auch pensionsbegründend! Auch wenn in diesen 4 Jahren dazuverdient wird, werden diese Beiträge für die Pension angerechnet solange sie in Summe nicht die Höchstbemessungsgrundlage von 5.300,- €/Monat (2019) überschreiten.
Warum wird über diese sozialpolitische Errungenschaft so gut wie nicht informiert?
Weil es zur Förderung des Wirtschaftswachstum (EU-Barcelonaziel 2002) politische Zielsetzung ist, dass alle Mütter möglichst schnell an ihren Arbeitsplatz zurückkehren und die Betreuung der 1 bis 3-jährigen Kleinkinder familienexte, institutionell in Krabbelgruppen etc. erfolgt und damit auf den Markt ausgelagert wird. Die Eltern haben wieder ihr volles Einkommen, zusätzliche Arbeitsplätze für KinderbetreuerInnen werden geschaffen - all das ist gut für das Wirtschaftswachstum. Und damit sich Eltern die familienexterne institutionelle Kleinkindbetreuung in Krabbelgrupoen etc. leisten können, werden diese mit rd. 1.000-€ je Kind und Monat mit öffentlichen Steuermitteln unterstützt. Damit sich Eltern die familieninterne Betreuung ihrer Kleinsten zuhause leisten können - und das sind immerhin noch 81% - gibt es allerdings keine öffentliche Unterstützung! Wahlfreiheit in der Kleinkindbetreuung sieht anders aus!

Dr. Josef Guggenberger, 5163 Berndorf

Aufgerufen am 03.12.2021 um 11:57 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/kinderbetreuung-in-der-familie-wird-kaum-unterstuetzt-84695641

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