Leserbrief

"Klartext" war nicht überzogen

Es steht jedem Bürger und natürlich auch Dr. Höller (Leserbrief vom 19.12.) frei, seine Meinung zu vertreten. Aber seine Stellungnahme zu Kollers Klartext ist nicht zu Ende gedacht. Sich eine Meinung aus den Medien zu aktuellen Themen zu formen, bedingt umfassende Information - natürlich im Rahmen der Gesetze, die ja schon von Haus aus einschränkend betreffend der Persönlichkeitsrechte von Betroffenen sind. Darauf möchte ich nicht verzichten. Für Verfehlungen der Medien gibt es den Presserat und die Gerichte, die auch genug Arbeit damit haben. Wenn man eine Story bring, soll man - wie unsere deutschen Freunde sagen - Ross und Reiter nennen. Das ist - im gesetzlichen Rahmen - Recht, aber auch Pflicht jener, die uns die Informationen liefern.
Und weil ich Reiter angesprochen habe. Ich bin von Xenophobie so weit entfernt, wie mir der berittene Flügel unserer Regierung fern ist. Mit diesen Leuten und dieser Denke habe ich nichts zu tun. Aber mit einer Meldung "Mann tötet Frau" erhalte ich keine Information, aus der ich mir eine eigene Meinung bilden kann. Ja richtig, der Titel "16-jähriger Tschetschene tötet 7-jähriges Mädchen" ist reißerisch, aber gibt mir einen Hinweis auf das Umfeld. Und wo ist das Ende der Gedankenkette von Dr. Höller? Darf die Zeitung in Zukunft dann noch berichten "Deutscher Schäferhund biss Kind"?
Abschließend: Wollen wir das Sammeln aller personenbezogenen Daten Google und Konsorten überlassen, oder sollen/dürfen wir uns auch noch selbst ein Bild machen?


Erwin Loderbauer, 5162 Obertrum

Aufgerufen am 29.11.2020 um 02:37 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/klartext-war-nicht-ueberzogen-62829391

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