Leserbrief

Klimaretter Obus

Während in der Nachkriegszeit, vor allem in den spätern 1950er bis anfänglichen 1970er Jahren, unzählige Obusbetriebe dem Autowahn zum Opfer fielen, blieben dennoch zahlreiche Städte dem verlässlichen und umweltfreundlichen Obus treu. Im neuen Jahrtausend erweist sich das Vehikel, das auf Werner von Siemens im Jahr 1882 zurückzuführen ist, als wahrer Klimaretter.

Blickt man nach Großbritannien, einst mit unzähligen Obusstädten gesegnet, zeichnet sich dort ein düsteres Bild ab. Alle Betriebe wurden eingestellt, lediglich Freilichtmuseen erhielten das Erbe der Trolleybusse samt Oberleitung. Städte und Regionen privatisierten den öffentlichen Verkehr, auch Bahnstrecken wurden stillgelegt. Der Umweltgedanke und die Zukunft spielten keine Rolle.

Mittlerweile setzt auf der Insel, bei der sich medial alles nur um den Brexit zu drehen scheint, endlich ein positives Umdenken ein, nachdem auch zahlreiche britische Experten seit Jahren auf die Vorteile des Obus zur Bewältigung der Klimaprobleme hinweisen. Greater Manchester erstickt in schlechter Luft, Fahrverbote scheinen nur eine Frage der Zeit zu sein. Zahlreiche Kommunen haben den öffentlichen Verkehr bereits wieder selbst in die Hand genommen oder sind kurz davor. Sie erkannten die Fehler der letzten Jahrzehnte. Steht eine Wende bevor? Würde dann noch die Entscheidung zur Wiedereinführung der Obusse fallen, anstatt wie in Oxford künftig auf die unausgereifte Batterietechnik zu setzen, wäre zur Rettung des Klimas ein gewaltiger Schritt getan. Den Kritikern sei gesagt, dass die ausgereifte Obustechnik im 21. Jahrhundert dem neuesten Stand entspricht und im Hinblick auf Diskussionen rund um Feinstaubbelastung, Fahrverbote und Elektromobilität der Obus ganz klar mit seinem CO2-neutralen Betrieb punktet. Dazu braucht man auch keine sinnlosen und teuren Studien in Auftrag zu geben.

Drücken wir den Briten die Daumen, dass sie den Brexit gut überstehen, die Verantwortlichen von Politik und Wirtschaft die Weichen im öffentlichen Verkehr richtig stellen und dem Obus endlich eine neue Chance geben.
Für Deutschland gelten diese Überlegungen natürlich gleichermaßen oder sogar noch mehr. Mit einer übermächtigen Autolobby, die die Politik seit Jahrzehnten beeinflusst und fest im Griff hat, sieht es für den Obus als Klimaretter natürlich weiterhin schlecht aus.


Dipl.-Kfm. Sebastian Krackowizer, 82447 Spatzenhausen

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