Leserbrief

Kluge Leitartikelschreiberinnen

Mit großem Interesse habe ich wie immer die SN von der ersten ("Und das Lachen wird auch bald verboten", "Orwell'sche Fantasien der blauen Minister") bis zur letzten ("Der Wahltag ist unsere Chance", "Tierleid zu Silvester" und "Salzburg glänzt auch ohne Feuerwerke") gelesen. Drei von vier Leserbriefen stehen für diskussions- und kompromissloses Verbot der Pyrotechnik, nur eine Leserin (Doris Pichler aus Mattsee, bitte vor den Vorhang!) unterscheidet zwischen Krach und Ästhetik sowie dem Zeitraum einer Knallerei. Persönlich stehe ich natürlich völlig auf Seiten der klugen Leitartikelschreiberinnen und der klugen und kompromissbereiten Frau Pichler.

Ich sehe das als typisches Beispiel für die Situation unserer Demokratie. Drei Viertel unserer Bevölkerung sind offenbar der Ansicht, nur rigorose Verbotsgesetze können politische Probleme lösen. Ist es lediglich Zufall, dass die kompromissbereiten Verbotsgegnerinnen in dieser SN-Ausgabe alle weiblich, die Verbotsforderer dagegen alle männlich sind? Sieht man sich die Wahlanalysen an, natürlich nicht.

Aber bleiben wir beim Thema Pyrotechnik. Es wird ja wohl technisch möglich sein, so wie Flüster-Lkw auch "Flüsterraketen" zu erzeugen, die allein durch ihre optische Wirkung Freude bereiten. Und ein schönes Feuerwerk bereitet nun einmal Freude, vor allem bei Kindern. Es muss auch auf gesetzlicher Basis möglich sein, die völlig verblödeten Böller auszuschalten und ein einziges, aber dafür wirklich eindrucksvolles städtisches Feuerwerk, sagen wir zum Beispiel von 0 Uhr bis 0.15 zu organisieren. Die Tiere werden ja hauptsächlich durch die stumpfsinnige Böllerei, die bereits am 30. 12. anfängt und weit bis in den 1. 1.hineindauert, gequält. Und ein einziges städtisches Feuerwerk, das etwa in Salzburg von fast allen Regionen bestaunt werden kann, erzeugt auch nicht soviel Feinstaub, dass dieser im Vergleich zum Verkehr wirklich ins Gewicht fällt.

Lassen wir, die Lust am Leben haben, doch nicht alle Freuden von verbitterten Hardlinern verbieten. Liebe Leserbriefschreiber, orientiert Euch doch bitte an den Redakteurinnen der SN!


Dr. Werner Lack, 1140 Wien

Aufgerufen am 19.09.2019 um 12:21 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/kluge-leitartikelschreiberinnen-63756322

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