Leserbrief

Kopftuch tragende Frauen: Rückschrittliches Frauenbild?

Eine im niederösterreichischen Waldviertel aufgewachsene junge Frau, die sich mit ihrer religiösen Verkleidung fortwährend als Muslimin outet, muss sich eigentlich nicht wundern, wenn sie hierzulande "be-fremd-end"
wahrgenommen wird. ("Wer gehört dazu?", Interview mit Haliemah Mocevic, SN, 17.8.2019)
Die Tochter einer muslimischen Einwandererfamilie, Zana Ramadani, Autorin und Gründerin einer deutschen Frauenrechtsbewegung, beklagt in ihrem Buch "Die verschleierte Gefahr" unsere falsch verstandene Toleranz gegenüber dem
Islam, aber auch die Gedankenlosigkeit der kopftuchtragenden Frauen.
Sie widerlegt die trotzige Behauptung, dass dies Ausdruck einer inneren Freiheit und Spiritualität sei.
Diesen - in einer liberalen Demokratie privilegiert lebenden - Frauen sei nicht bewusst, dass sie ein patriarchales, rückschrittliches Frauenbild, das sich hinter der Fahne einer Religion verstecke, weitertragen.
Sie verstehe nicht, dass manche Muslima nicht begreifen wollen, wie herzlos und gleichgültig sie sich jenen Frauen gegenüber erweisen, die in den Herkunftsländern verhaftet, verprügelt, gesteinigt, vergewaltigt und missbraucht werden, wenn sie es wagen, diese von Männern für Frauen ersonnene Verkleidung zu verweigern.
Kopftuchfrauen verdrängten die Greueltaten, die im Namen ihrer Religion
erfolgen: Damit deckten sie in aller Öffentlichkeit eine religiös verbrämte männliche Dominanz und drückten sich vor ihrer Verantwortung für die Opfer.



Waltraud Prothmann-Seyersbach, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 22.11.2019 um 06:18 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/kopftuch-tragende-frauen-rueckschrittliches-frauenbild-75161917

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