Leserbrief

Krabbelstube statt Mutter und Familie

Im Leserbrief "Gemeinden dürfen sich nicht freikaufen" redet Frau Mag. Schmidjell den öffentlichen Kinderbetreuungseinrichtungen das Wort, weil dort das soziale Lernen durch frühkindliche Elementarpädagogik gefördert würde. Diese Meinung soll offensichtlich noch durch den Hinweis auf ihren Landesvorsitz bei den Salzburger Kinderfreunden als besonders fachlich kompetent unterstrichen werden. Dieser Ansatz mag einer links gerichteten Gesellschaftspolitik entsprechen, die in der ehemaligen DDR mit der zwingenden Übernahme aller Kinder ab frühestem Alter in staatliche Obsorge zum Zweck des "sozialen Lernens" konsequent durchgeführt wurde. Die Ergebnisse kennen wir.

Die beste frühkindliche Elementarpädagogik ist noch immer die liebevolle Obsorge durch Mutter und Vater zuhause. Die beste Krabbelstube kann das nicht ersetzen. Die Behauptung, dass die familiäre Obsorge statt der öffentlichen Krabbelstube zu einer "zunehmenden Vereinzelnung" führe, ist rundweg unverständlich und kann nur einer bestimmten Ideologie zugeordnet werden. Dass es ausreichende Kinderbetreuungsstellen in ganz Österreich geben soll und muss, steht außer Frage. Denn es gibt viele Familien und alleinstehende Eltern, die aus vielfachen Gründen darauf angewiesen sind. Doch geht es entschieden zu weit, diese Unterbringung in Krabbelstuben statt der häuslichen, familiären Betreuung gar als elementarpädagogische Notwendigkeit zu preisen und den Gemeinden, die die familiäre Betreuung finanziell unterstützen, vorzuwerfen, sie wollten sich damit von der Einrichtung öffentlicher Kinderbetreuungsstellen freikaufen. Es ist vielmehr großartig, dass sich einzelne Gemeinden gegen diesen linken Mainstream wenden und den Eltern, die ihre Babys lieber selbst betreuen und aufziehen wollen, dafür eine finanzielle Unterstützung zukommen lassen. Damit wird den Familien die Wahlmöglichkeit zwischen familiärer Obsorge oder Krabbelstube erleichtert, was gerade für finanziell schwache Familien gilt.

Darüber hinaus ist dieser Vorwurf des Freikaufens völlig unbegründet, weil diese Gemeinden sehr wohl auch für ausreichende, der Nachfrage entsprechende Kinderbetreuungseinrichtungen sorgen. Damit haben alle Gemeindebürger, auch die finanziell schwachen, eine echte Wahlmöglichkeit und keine soziale Zwangsbeglückung. Genau das ist sozial gerecht und demokratisch.


Dr. Wolf Schuler. RA em., 5020 Salzburg

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